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342. Noah war ein gerechter Mann

Oktober 1979

„Noah war ein gerechter Mann.“ Ibn Esra erklärt: „gerecht“ in seinen guten Taten, „untadelig“ im Herzen. „Unter seinen Zeitgenossen“ – manche deuten dies zu seinem Tadel, andere zu seinem Lob. Denn in einer Generation von Frevlern, deren Gedanken besagen, dass es sich nicht lohnt, zu arbeiten, um zu geben, deutet der Körper die Haltung seiner Zeitgenossen manchmal zum Lob; das heißt, seine Meinung stimmt mit der seiner Zeitgenossen überein. Manchmal deutet er jedoch zum Tadel, was seine Zeitgenossen sagen.

Dann hat er die Wahl und kann gute Taten vollbringen; er kann sich also auf der Ebene des Handelns überwinden. Über sein Herz hat der Mensch jedoch keinerlei Macht. Er kann das Empfinden des Herzens nicht ändern, wenn es empfindet, was seine Zeitgenossen ihm sagen, denn das Herz folgt der Mehrheit.

Darum bleibt ihm nichts anderes, als sich auf der Ebene des Handelns zu überwinden, Handlungen des Gebens auszuführen und den Schöpfer um ein anderes Herz zu bitten. So steht geschrieben: „Und läutere unser Herz.“ Im Streitgespräch jedoch kann er keinen Erfolg haben. Wenn er im Handeln ein Gerechter wird, wird er dessen würdig, auch im Herzen untadelig zu werden, wie Ibn Esra sagte.

Danach gelangt er zu der Stufe: „Noah wandelte mit Gott.“ Das heißt: Wenn der Schöpfer Sich dem Menschen offenbart und dieser die Existenz des Schöpfers zu empfinden beginnt, hat er keine Wahl mehr, sondern annulliert sich wie eine Kerze vor einer Fackel. Dann lässt er sich von dem, was er von seinen Zeitgenossen hört, nicht beeindrucken, denn sie alle annullieren sich vor dem Licht des Schöpfers.

Aus dem oben Gesagten folgt, dass „untadelig“ erst nach seiner Überwindung auf der Ebene des Handelns kommt. Dann kommt seine Untadeligkeit, um all die Mängel auszugleichen, die er zuvor hatte. Dies entspricht den Worten meines Vaters und Lehrers: Tamim [untadelig] besteht aus den Buchstaben Taw–Majim [Taw–Wasser]. Es ruht nur auf dem, der sich selbst zu überlisten weiß und die Wahrheit so sieht, wie seine Augen sie sehen, aber dennoch alles in Arglosigkeit [Temimut] annimmt. Dies wird als Glaube über dem Verstand bezeichnet.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026