319. Wer stolz ist, der begeht sozusagen Götzendienst
„Jeder, der hochmütig ist – es ist, als würde er Götzendienst verrichten.“ Denn Hochmut bedeutet, dass der Mensch seine Niedrigkeit nicht empfindet. Das heißt, es ist für den Menschen von großer Bedeutung, dass er dem Schöpfer dient und nicht sich selbst. Denn der Mensch ist ein niedriges Geschöpf, um das es sich nicht lohnt, sich zu sorgen und all seine Lebensjahre nur dem Ziel zu widmen, sich selbst zu dienen und sich selbst Genuss zu bereiten; dies wird „dem Menschen dienen“ genannt.
Doch seinem Schöpfer zu dienen, das heißt zu empfinden, wie lohnend es ist, dem Schöpfer zu dienen und Ihm Genuss zu bereiten, und dafür sein ganzes Verlangen und Denken einzusetzen, dazu ist er nicht fähig, weil er sich nicht als niedrigen Menschen empfindet.
Vielmehr empfindet der Mensch es als wichtiger, sich selbst zu dienen, als dem Schöpfer zu dienen. Dies bedeutet, dass der Mensch hochmütig ist. Und dies heißt, Götzendienst zu verrichten, weil er kein Diener des Schöpfers sein kann, sondern sich selbst dient – das heißt, eine Arbeit verrichtet, die uns fremd ist.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026