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326. Die Arbeit des Menschen

Es liegt in der Natur des Menschen, auf ein kleines Vergnügen verzichten zu können, um ein größeres zu erhalten. Daher gibt es dabei keine Wahl.

Anders ist es bei jemandem, der um des Gebens willen arbeitet, und zwar allein aus dem Grund der Wahrheit, das heißt: Der wahre Weg besteht nur in der Arbeit um des Gebens willen. Hierbei gibt es eine Wahl, denn er wählt die Arbeit auf dem Weg der Wahrheit, obwohl er dabei keinerlei Vergnügen haben wird und obwohl dieser Weg Leiden mit sich bringt. All dies tut er nur, weil er die Wahrheit wählen will, nach dem Grundsatz: „Lieber sei meine Nahrung bitter wie eine Olive, wenn sie aus der Hand des Schöpfers kommt.“

Man muss verstehen: Wenn sich ein Mensch mit Tora und Mizwot wegen Lohn und Strafe befasst und nicht um des Gebens willen, genügt ihm bereits das Maß an Glauben, das er besitzt. Denn es liegt in der Natur des Körpers, Leiden zu fürchten und dem Vergnügen nachzujagen. Deshalb hat er kein zwingendes Bedürfnis, die Größe des Schöpfers zu erlangen; denn warum sollte es ihm wichtig sein, das Maß der Größe des Schöpfers zu kennen?

Mit anderen Worten: Wenn er dem Schöpfer im Glauben an Lohn und Strafe dient, braucht er die Größe des Schöpfers nicht zu kennen. Denn die Größe des Königs ist kein Grund, der ihn dazu verpflichten würde, seine Arbeit in Tora und Mizwot zu vermehren; zwischen beidem besteht keinerlei Zusammenhang. Der Grund für die Arbeit hängt vielmehr vom Maß des Glaubens an Lohn und Strafe ab.

Anders ist es bei jemandem, der um des Gebens willen arbeitet. Es liegt nämlich in der Natur des Körpers, dass er sich dem unterwerfen kann, der größer ist als er, und dass er die Kraft hat, dem zu dienen, der größer ist als er. So ergibt sich, dass allein das Maß der Größe des Schöpfers ihn zur Arbeit verpflichtet. In dem Maß, in dem er an die Größe des Schöpfers glaubt, hat er auch die Kraft zur Arbeit.

Der Wille des Schöpfers ist es, dass die Unteren dazu gelangen, die Größe und Erhabenheit des Schöpfers zu sehen. Eben deshalb muss der Untere allein um des Gebens willen arbeiten. Das heißt: nicht wegen des Geschenks des Königs, was „von einer Sache abhängige Liebe“ genannt wird, sondern um des Königs selbst willen. Weil er an die Größe des Königs glaubt, hat er die Kraft, zu geben und dem König zu dienen.

Somit besteht seine ganze Arbeit in der Betrachtung der Größe und Erhabenheit des Schöpfers. In dem Maß, in dem er Seine Größe erkennt, vermehrt er seine Arbeit. Daher liegt ein besonderer Vorzug in der Arbeit, die darauf ausgerichtet ist, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026