338. Ein Heilmittel vor dem Schlag
Rosh HaShana 1982
Der Schöpfer schickt die Heilung vor dem Schlag. Man kann fragen: Wenn es keinen Schlag gibt, wie kann dann von Heilung die Rede sein?
Wir müssen verstehen, was wir bei unseren Weisen finden: Die Tora wird Tushija genannt, weil sie die Kraft des Menschen schwächt.1 Außerdem sagten unsere Weisen: „Wenn jemand Kopfschmerzen hat, soll er sich mit der Tora beschäftigen.“2 Mein Vater und Lehrer erklärte, dass der Mensch die Tora zunächst braucht, damit er erkennt, dass die Kraft des Menschen nicht so ist, wie sie sein sollte. „Kopfschmerzen“ bedeuten, dass er fremde Gedanken hat. „Bauchschmerzen“ bedeuten, dass sein ganzes Verlangen nur darauf gerichtet ist, in den eigenen Bauch zu empfangen.
Denn in der Medizin gilt: Nimmt jemand ein Arzneimittel ein, obwohl er nicht krank ist, so schadet ihm das Mittel im Gegenteil. Deshalb muss er zunächst die Tora studieren. Durch die Tora erkennt er, dass er krank ist. Dann nimmt er die Tora an und wird von seinen Krankheiten geheilt.
Daraus folgt, dass wir die Tora auf zwei Arten verstehen: erstens, dass er krank ist. Deshalb wird die Tora Tushija genannt, weil sie die Kraft des Menschen schwächt. Und seine ganze Kraft und Lebenskraft stammen nur aus dem tierischen Aspekt. Um dies zu korrigieren, gibt es die Tora auf die zweite Art: Sie heilt ihn von allen Krankheiten.
So lässt sich erklären, warum der Schöpfer die Heilung vor dem Schlag schickt. Das heißt: Die Tora, die „Heilung“ genannt wird, kommt vor dem Schlag, denn sie bringt ihm die Erkenntnis des Bösen.
Danach erleidet er den Schlag – das Maß des Bösen in ihm. Dann gilt: „Aus dem Schlag selbst bereitet man einen Verband.“ Das bedeutet: Die Tora lässt ihn erkennen, dass er in seinen Eigenschaften geschlagen ist, und anschließend heilt sie ihn. Wenn er also keine Erkenntnis des Bösen hat, wie kann er dann des Guten würdig werden? Deshalb brauchen wir die beiden oben genannten Aspekte der Tora.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026