315. Drei Nefashot
„So sprich zum Haus Jakob und verkünde den Söhnen Israels.“ Im Midrash heißt es: „‚So sprich‘ – das sind die Frauen; sage ihnen die Grundzüge der Dinge. ‚Und verkünde den Söhnen Israels‘ – sage ihnen die Einzelheiten der Dinge, denn sie können sie hören. Und warum den Frauen? Weil sie bei den Mizwot eifrig sind.“
Eine andere Auslegung lautet: Sie führen ihre Söhne zum Tora-Studium. Rabbi Tachlifa aus Caesarea sagte: „Als Ich die Welt erschuf, gebot Ich nur Adam haRishon. Danach erhielt Eva das Gebot; sie übertrat es und verdarb die Welt. Wenn Ich nun nicht zuerst die Frauen rufe, werden sie die Tora zunichtemachen.“ Deshalb heißt es: „So sprich zum Haus Jakob.“ Und Rabbi Jochanan sagte: „Mit dem ‚Haus Jakob‘ ist der Sanhedrin gemeint, wie es heißt: ‚Haus Jakob, kommt, lasst uns gehen.‘“
Das oben Gesagte ist auf dem Weg der Arbeit auszulegen. Bekanntlich besteht der Mensch aus der Eigenschaft des Empfangens, die als „Frau“ bezeichnet wird, und der Eigenschaft des Gebens, die als „Mann“ bezeichnet wird.
Als Adam haRishon erschaffen wurde, verlief die Ordnung seiner Erschaffung von oben nach unten, also vom Reinen zum Groben: Zuerst war in ihm die Eigenschaft des Gebens, und danach trat in ihm die Eigenschaft des Empfangens hervor. Im heiligen Sohar wird erläutert: „Adam haRishon hatte nichts von dieser Welt“; das heißt, vor der Sünde war der Verlangen zu empfangen noch nicht vollständig ausgeprägt.
Denn der Mensch besitzt drei Nefashot (Seelen), wie in den Worten des ARI erläutert wird:
1) eine Nefesh der Kedusha, die ein Kli [Gefäß] der Heiligkeit ist,
2) eine Nefesh aus dem Kli der Klipa [Schale] Noga, die „halb und halb“ ist,
3) eine Nefesh aus den drei unreinen Klipot.
„Halb und halb“ bedeutet: Wenn ein Mensch eine Mizwa erfüllt, verbindet sich die zweite Nefesh mit der Kedusha. Begeht er dagegen irgendeine Übertretung, verbindet sie sich mit der dritten Nefesh. Adam haRishon wurde beschnitten geboren; das heißt, er hatte die dritte Nefesh nicht. Erst durch die Sünde trat seine Vorhaut hervor; das heißt, er zog die dritte Nefesh auf sich, die als „diese Welt“ bezeichnet wird.
Als die Welt erschaffen wurde, erhielt daher Adam haRishon zuerst das Gebot, denn die Ordnung verläuft vom Reinen zum Groben. Bei der Gabe der Tora hingegen, als die Vorhaut bereits in ihnen war – der Schmutz, der von der Schlange ausgeht –, muss man von unten nach oben beginnen, also vom Groben zum Reinen.
Das Grobe ist in Bezug auf die Zeit der Katnut auszulegen. Denn während der Katnut, der Eigenschaft der Nukwa, herrscht der Verlangen zu empfangen. Dann muss man sagen, dass der Empfang von Tora und Mizwot als „Ausspruch“ gilt, der sanft ist.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026