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332. Über die Gleichheit der Form

August 1979

Was die Gleichheit der Form betrifft, die eine Korrektur zur Aufhebung des Brotes der Scham ist, so lässt sich dies auf einfache Weise erklären. Denn der Schöpfer beseitigt es [das Brot der Scham] gemäß dem Grundsatz: „Aus Deinen Taten erkennen wir Dich.“ Denn der Schöpfer empfindet Genuss daran, den Geschöpfen zu geben, und das wird „Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ genannt.

Deshalb müssen auch die Unteren zu dieser Eigenschaft gelangen, das heißt, dass sie Genuss empfinden, wenn sie sich mit dem Geben beschäftigen. In den Worten unserer Weisen heißt dies: „Und hafte Ihm an“ – „Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig.“

Die Geschöpfe aber wurden im entgegengesetzten Zustand geboren. Denn das Höhere Verlangen, das „den Geschöpfen Gutes zu tun“ genannt wird, erschuf in den Geschöpfen ein Verlangen zu empfangen und nicht ein Verlangen zu geben. Und das Geschöpf hat nur dann ein Verlangen zu geben, wenn es dadurch einen größeren Genuss erlangen kann – wenn es also, indem es gibt, eine Belohnung für sein Geben erhält. Ohne Genuss aber kann der Mensch nichts geben.

Es zeigt sich, dass das Geschöpf dem Schöpfer gegenüber in entgegengesetzter Form ist. Im Spirituellen aber gilt Gegensätzlichkeit der Form als Trennung. Und wenn ein Mensch, Gott behüte, vom Schöpfer getrennt ist, wie kann er sich dann mit Ihm verbinden? Und darin besteht das ganze Böse, das in den Geschöpfen angelegt ist und das korrigiert werden muss.

Und das nennt man Erkenntnis des Bösen. Denn der Mensch muss zu der klaren Erkenntnis gelangen, dass es in der Welt nichts gibt, was ihn daran hindern könnte, zum Guten und zum Genuss zu gelangen, außer dem Verlangen zu empfangen. Und das ist der Böse Trieb, über den unsere Weisen sagten: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Dies wird in der Einführung in den Talmud Esser haSefirot ausführlich erklärt.

Demnach ergibt sich: Wenn der Mensch sich mit Tora und Mizwot beschäftigt, muss der Grund dafür sein, dahin zu gelangen, dass der Schöpfer ihm für seine Arbeit in Tora und Mizwot einen Lohn gibt. Und sein Lohn soll darin bestehen, dass er vom Bösen befreit wird und zum Guten gelangt.

Das heißt, dass er sich an den Schöpfer anhaften kann, der „der Gute“ genannt wird. Und dieser Grund muss ihm stets vor Augen stehen: Er will zu einer solchen Stufe gelangen, auf der er an Handlungen des Gebens Genuss empfindet, so wie der Schöpfer Genuss daran empfindet, zu geben, und es nicht nötig hat, dass die Geschöpfe Ihm etwas geben.

So muss der Mensch den Schöpfer bitten, ihm einen Lohn für seine Arbeit zu geben. Und der Lohn wird darin bestehen, dass er arbeiten kann, ohne eine Belohnung zu empfangen, und dass er für seine Arbeit keinerlei Belohnung braucht, sondern dass ihm diese Handlungen Freude und Genuss bereiten, während er sie vollbringt.

Daraus folgt: Der Mensch überwindet sich und vollbringt Handlungen des Gebens, weil er dafür Überwindung und Zwang braucht. Einerseits besteht bei ihm Gleichheit der Form mit dem Schöpfer, da er nicht empfängt, sondern nur gibt. Doch wenn er ohne Belohnung gibt, empfindet er dabei weder Freude noch Genuss. Somit besteht bei ihm keine Gleichheit der Form mit dem Schöpfer.

Es zeigt sich, dass die Hauptarbeit des Menschen darin bestehen muss, Genuss zu empfinden, während er sich mit Handlungen des Gebens beschäftigt. Dies ist die Bedeutung der Worte: „Dient dem Ewigen mit Freude“, damit Gleichheit der Form besteht. Wie der Schöpfer Genuss empfindet, wenn Er gibt – wie unsere Weisen sagten: „Sein Verlangen ist es, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ –, so muss auch der Mensch diese Stufe erreichen.

Darin muss der ganze Lohn des Menschen bestehen. Dies wird „geben, um zu geben“ genannt – ohne jede Belohnung, denn es gibt für ihn keinen größeren Genuss als diesen.

Doch nachdem er mit dieser Stufe belohnt wurde – wenn sein ganzer Genuss darin besteht, dass er dem Schöpfer gibt –, sieht und fühlt er, dass er dem Schöpfer nichts geben kann, was Ihm Genuss bereitet, außer indem er von Ihm die Genüsse empfängt, die der Schöpfer Seinen Geschöpfen bereitet hat – und das ist das Ziel der Schöpfung.

Deshalb befindet er sich in diesem Augenblick auf einer Stufe, auf der er zum Schöpfer sagt: „Gib mir große Genüsse, denn ich möchte Dir Genuss bereiten. Denn Dir fehlt es an nichts, und was wir überhaupt einen Mangel nennen können, ist allein dies: dass die Schöpfung zu dem Ziel gelangt, das darin besteht, Seine Geschöpfe zu erfreuen.“

Daraus ergibt sich, dass [der Zustand] „nicht, um eine Belohnung zu empfangen“ dann so genannt wird, wenn der Mensch zu einer Stufe gelangt, die ihm als Geschenk von oben gegeben wurde, und sein einziger Genuss darin besteht, dem Schöpfer zu geben. Wenn er jedoch gibt und in diesem Augenblick keinen Genuss hat, so ergibt sich, dass bei ihm keine Gleichheit der Form besteht, weil er während des Gebens keinen Genuss hat und nur danach strebt, dass man ihm etwas für seine Arbeit im Geben gibt.

Zugleich bittet der Mensch, wenn er sich mit dem Empfangen beschäftigt, den Schöpfer weder um eine Gegenleistung noch um einen Lohn für seine Arbeit im Empfangen.

Deshalb muss ihm das Ziel stets vor Augen stehen: worum er für seine Arbeit in Tora und Mizwot bittet – nämlich allein darum, dass der Schöpfer ihm die Gleichheit der Form zum Geschenk gibt, die darin besteht, dass er Genuss empfindet, während er sich mit dem Geben beschäftigt.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026