348. Wenn der Schöpfer einen Menschen liebt
WaJera 5740 [November 1979]
Im Sohar1 steht: „Wir haben gelernt: Wenn der Schöpfer einen Menschen liebt, schickt Er ihm ein Geschenk.
„Und was ist das Geschenk? Ein Armer, damit der Mensch sich durch ihn Verdienste erwerben kann. Sobald er sich durch ihn Verdienste erworben hat, lässt der Schöpfer einen Faden von Chessed, der von der rechten Seite ausgeht, auf ihn herab, breitet ihn über seinem Kopf aus und kennzeichnet ihn.
„Wenn das Gericht in die Welt kommt, hütet sich der Zerstörer deshalb davor, ihm zu schaden: Der Zerstörer hebt die Augen, sieht dieses Reshimo, zieht sich daraufhin von ihm zurück und nimmt sich vor ihm in Acht.
„Deshalb gab ihm der Schöpfer im Voraus etwas, wodurch er dessen würdig werden konnte.“
Wir müssen verstehen, warum Sein Geschenk „ein Armer“ genannt wird. Nach dem Grundsatz „Arm ist nur, wer arm an Verstand ist“ gilt: Der Mensch empfindet sich als arm an Verstand und glaubt, der Schöpfer habe ihm diese Erkenntnis geschickt – das Empfinden, arm zu sein. Aber warum wird dieser Gedanke als „Geschenk“ des Schöpfers bezeichnet?
Die Erklärung ist folgende: Bekanntlich steigt ein Mensch nur dann auf eine höhere Stufe auf, wenn er ein Bedürfnis danach hat. Dann kann er vom Schöpfer eine Füllung empfangen, denn es gibt kein Licht ohne ein Gefäß (Kli), also nichts ohne ein Verlangen. Das Verlangen nach etwas wird das Kli genannt, in das die Füllung eingeht.
Wenn ein Mensch daher meint, er habe keinen wirklichen Mangel – das heißt, er sieht nicht, dass er schlechter ist als die übrigen Menschen –, heißt es über ihn: „Ich wohne inmitten meines Volkes.“
Anders ist es, wenn er empfindet, dass es ihm schlechter geht als allen anderen Menschen: dass er arm an Verstand ist und keinerlei Erlangung in Tora und Mizwot hat.
Zwar gibt es viele Menschen, die ebenfalls keinerlei Erlangung haben; da sie jedoch kein Bedürfnis nach einer Erlangung in Tora und Mizwot verspüren, leiden sie auch nicht darunter.
In der Spiritualität heißt es: „Der Lohn richtet sich nach dem Leid.“ Denn Schmerz und Leiden entstehen aus dem, was ihm fehlt, und das Maß des Bedürfnisses bestimmt das Maß des Lohns, das heißt, sein Mangel wird gefüllt. Wenn der Schöpfer einem Menschen also das Geschenk schickt, sich als arm zu empfinden, wird er dadurch fähig, eine Füllung zu empfangen.
Das ist gemeint, wenn es heißt: Wodurch kann ein Mensch dessen würdig werden, dass die Eigenschaft des Gerichts und die Einschränkung (Zimzum) nicht über ihn herrschen?
Er wird dessen würdig, indem der Schöpfer ihm ein Geschenk schickt. Das Geschenk ist somit der Mangel, also das Kli.
Wenn er dieses Kli besitzt und es am richtigen Ort empfängt, lässt der Schöpfer einen Faden von Chessed auf ihn herab.
Er gibt ihm also die Kraft, sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen, um zu geben; das wird Chessed genannt.
Dann können das Gericht und der Zimzum, die Verhüllung verursachen, nicht über ihn herrschen.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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WaJera, S. 52, Punkt 163. ↩