371. Eine Leiter, die auf der Erde steht
WaJeze 5743 [November 1982]
„Und siehe, eine Leiter stand auf der Erde.“ Was ist eine Leiter? Sie ist eine Stufe, von der alle übrigen Stufen abhängen, nämlich Nukwa (weiblicher Aspekt von Malchut), die das Tor zu allen übrigen Stufen ist.1
„Und siehe, Engel Gottes stiegen auf ihr hinauf und herab.“ Das sind die Beauftragten aller Völker, die auf dieser Leiter auf- und absteigen. Wenn Israel sündigt, sinkt die Leiter hinab, während die Beauftragten aufsteigen. Wenn Israel dagegen seine Taten verbessert, erhebt sich die Leiter, und alle Beauftragten steigen hinab.2
Wir müssen all dies verstehen und ebenso den bekannten Ausspruch: Es gibt nichts Geraderes als eine krumme Leiter und nichts Krummeres als eine Leiter, wenn sie gerade steht. Malchut wird „Versammlung Israels (Knesset Israel)“ genannt, weil sie alle Seelen umfasst. Deshalb erscheint den Unteren das Geben von oben entsprechend ihren Taten.
Wenn Israel daher Handlungen des Gebens ausführt, erleben die Völker der Welt einen Abstieg, denn ihre ganze Wurzel besteht nur darin, Genuss für sich selbst zu empfangen. Beschäftigt sich Israel dagegen mit dem Empfangen, verleiht es den Völkern der Welt Kraft, sodass die Kraft des Empfangens herrscht. Wenn aber die Kraft des Empfangens herrscht, dann herrscht die Kraft der Einschränkung (Zimzum), und die Fülle kann nicht von oben herabgezogen werden.
Daraus folgt: Wenn die Völker der Welt aufsteigen, sinkt die Leiter, also Malchut, hinab. Dann kann sie den Unteren nichts geben, und in der Welt herrscht Verhüllung. Wenn Israel dagegen seine Taten durch Handlungen des Gebens verbessert und die Kraft des Empfangens um des Empfangens willen sinkt, steigt die Leiter, also Malchut, in ihrer Bedeutung auf. Das heißt, sie gibt die höhere Fülle nach unten weiter.
Das ist der Sinn des Ausspruchs, es gebe nichts Krummeres als eine Leiter, die gerade steht. Geradlinigkeit heißt im Spirituellen „Linie“: Sie hat ein Oben und ein Unten, wobei Malchut unten und Keter oben ist.
Dies wird so beschrieben: „Zuerst erschuf Er die Welt mit der Eigenschaft des Gerichts. Er sah, dass die Welt nicht bestehen konnte, und verband mit ihr die Eigenschaft der Barmherzigkeit.“ Die Eigenschaft der Barmherzigkeit gilt als „Diagonale“. Somit heißt Malchut, wenn sie mit der Eigenschaft der Barmherzigkeit verbunden ist, „Leiter“. Dass sie krumm ist, bedeutet, dass sie diagonal steht. Ist sie dagegen gerade und steht unter der Eigenschaft des Gerichts, kann die Welt nicht bestehen.
Zum Vers „Denn Er wird Seinen Engeln für dich befehlen, dich auf all deinen Wegen zu behüten“3 heißt es: „Seine Engel“ sind der Gute Trieb und der Böse Trieb (Jezer haRa). Und dort eröffnete Rabbi Jizchak: „Es steht geschrieben: ‚Der Engel des Ewigen lagert sich um die her, die Ihn fürchten, und rettet sie.‘4 An anderer Stelle aber steht: ‚Denn Er wird Seinen Engeln für dich befehlen‘, also vielen Engeln.“5 Er erklärt: „Die Worte ‚Denn Er wird Seinen Engeln für dich befehlen‘ bezeichnen Engel im üblichen Sinn. Die Worte ‚der Engel des Ewigen‘ dagegen bezeichnen die Shechina (göttliche Gegenwart).“
Wir müssen verstehen, weshalb einmal von zwei Engeln und ein anderes Mal von einem Engel die Rede ist, womit die Shechina gemeint ist. Wann also hat der Mensch zwei Engel, und wann hat er einen Engel?
Man kann dies entsprechend der Auslegung unserer Weisen zum Vers „mit deinem ganzen Herzen“ erklären: mit deinen beiden Trieben, dem Guten Trieb und dem Bösen Trieb.
Dementsprechend bedeutet „Engel im üblichen Sinn“: Jeder Mensch hat zwei Engel, nämlich den Guten Trieb und den Bösen Trieb, die zwei Herzen sind. Nachdem der Mensch jedoch der Ehrfurcht vor dem Schöpfer würdig geworden ist und zu denen gehört, die Ihn fürchten, wird er eines Engels würdig: Seine beiden Triebe werden zu einem einzigen. Dadurch gelangt er dazu, den Schöpfer mit beiden Trieben zu lieben, denn beide sind in ihm vereint. Das heißt, er wird dessen würdig, dass die Shechina auf ihm ruht.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026