392. Denn eine Hand ist am Thron von Jah – 2
Beim dritten Mahl, Wochenabschnitt Tezawe, Schabbat Sachor, 5715 [5. März 1955]
„Und er sprach: ‚Denn eine Hand ist am Thron von Jah; Krieg führt der Ewige gegen Amalek von Generation zu Generation.‘“
Rashi erklärt: „Der Schöpfer schwor, dass Sein Name nicht vollständig und Sein Thron nicht vollständig sein wird, bis Er den Namen Amaleks ausgelöscht hat.“ Das bedeutet, dass der Name in zwei Hälften geteilt ist. Um dies zu verstehen, müssen wir zunächst den Vers anführen: „In Jah, dem Ewigen, ist der Fels der Welten.“ Das heißt: Mit den beiden Buchstaben Yod–Hej des Schöpfers formte Er die Welten.
„Mit zehn Aussprüchen wurde die Welt erschaffen. Was lehrt uns das? Sie hätte doch mit einem einzigen Ausspruch erschaffen werden können. Vielmehr geschah es, um die Frevler zur Rechenschaft zu ziehen, die die mit zehn Aussprüchen erschaffene Welt zugrunde richten.“1
Die bekannte Frage lautet: Stellt der Schöpfer etwa Ansprüche an Seine Geschöpfe? Das gleicht jemandem, der seinem Freund einen Becher im Wert von einer Lira zur Aufbewahrung gibt. Wenn der Freund ihn verlöre, müsste er nur eine Lira bezahlen. Doch der Eigentümer ging hin und zahlte zehn Lira. Musste der Freund deshalb etwa zehn Lira bezahlen?
Die Erklärung ist: Anfangs erschuf Er die Welt mit der Eigenschaft des Gerichts. Als Er sah, dass die Welt keinen Bestand haben konnte, verband Er sie mit der Eigenschaft der Barmherzigkeit. Dadurch sollte der Mensch die Fähigkeit erhalten, Vollkommenheit zu erlangen. Solange die Welt hingegen unter der Eigenschaft des Gerichts stand, gab es in der Wirklichkeit keine Möglichkeit, dass der Mensch sich aus dem Bereich seines Bösen Triebs (Jezer haRa) lösen könnte.
Das ist die Bedeutung von „den Gerechten guten Lohn zu geben“. Das heißt: Durch die Korrektur mittels der Eigenschaft der Barmherzigkeit – diese Korrektur wird „zehn Aussprüche“ genannt – kann die Welt bestehen.
„Und die Frevler zur Rechenschaft zu ziehen“ bedeutet: Jetzt wurde ihnen die Gelegenheit gegeben, sich aus der Herrschaft des Bösen Triebs zu lösen, und dennoch wollen sie es nicht. Dafür haben sie es verdient, die Welt zu verlieren, obwohl es dort die Korrektur der zehn Aussprüche gibt, was eine leichtere Sache ist, als es vor der Korrektur war, also mit einem einzigen Ausspruch.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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Sprüche der Väter (Awot), Kapitel 5. ↩