405. Wenn ein Rind oder ein Schaf oder eine Ziege geboren wird
Wochenabschnitt Emor, 5739 [Mai 1979]
„Wenn ein Rind oder ein Schaf oder eine Ziege geboren wird.“1 Ein eintägiges Rind wird bereits „Rind“ genannt, denn was es erlangen kann, hat es schon am ersten Tag erlangt. Deshalb sind dies Menschen, die nicht zur Stufe des Sprechenden, sondern zur Stufe des Tieres gehören. Sie leben ihr ganzes Leben lang mit dem Verstand, den sie am Tag ihrer Geburt erlangt haben – also an dem Tag, an dem sie religiös mündig werden (Bar Mizwa).
Bei ihnen gibt es keine Zunahme außer in quantitativer Hinsicht, denn dieser Verstand ist gering im Verhältnis zu dem, was mit dem Verstand der Tora erlangt werden kann. Daher lebt ein solcher Mensch bis zum Ende mit dem, was er am ersten Tag erlangt hat.
Anders ist es beim Sprechenden, also bei der Stufe Mensch. Darüber heißt es: „Ihr werdet Mensch genannt, nicht aber die Völker der Welt.“2 Beim Sprechenden ist es umgekehrt: „Der Mensch wird als Wildesel geboren“3 – gemessen an dem, was er erlangen muss, wenn er würdig wird, die Stufe Mensch zu erreichen.
Denn der Geist des Tieres sinkt hinab. Das bedeutet: Alle seine Handlungen dienen dem, was unten ist, also dem eigenen Nutzen. Der Geist des Menschen dagegen steigt auf, also zum Nutzen des Schöpfers. Dies wird „oben“ genannt, wie unsere Weisen sagten: „Wisse, was über dir ist.“4 Dann erkennt er, dass er als Wildesel geboren wurde. Nun beginnt seine Arbeit, auf dem Weg der Wahrheit zu gehen. Dann heißt es: „Selbst wenn die ganze Welt dir sagt: ‚Du bist ein Gerechter (Zaddik)‘, sei in deinen eigenen Augen wie ein Frevler (Rasha).“5
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026