385. Und Ich trug euch auf Adlerflügeln
„Und Ich trug euch auf Adlerflügeln und brachte euch zu Mir.“
Rashi erklärt: „‚Auf Adlerflügeln‘ – wie ein Adler, der seine Jungen auf seinen Flügeln trägt und sagt: ‚Lieber soll der Pfeil in mich eindringen als in meine Kinder.‘“
Das Wort für „Pfeil“ (Chez) ist mit „Abtrennung“ (Chaziza) verwandt. So sagten die Weisen über den Vers „Und Hiskija wandte sein Gesicht zur Wand“: Daraus folgt, dass nichts trennend zwischen ihm und der Wand stehen darf.1 Es ist ebenso mit dem Wort „Trennwand“ (Mechiza) verwandt.
Abtrennung bezeichnet einen Zustand der Trennung, der zwei Dinge voneinander scheidet. Zur Trennwand wird im Traktat Baba Batra erklärt: „Wenn Teilhaber im Hof eine Trennwand errichten wollen, bauen sie die Mauer in der Mitte.“2
Dort wird erklärt: „Mechiza bedeutet Guda, also eine trennende Mauer. Man kann aber auch sagen, Mechiza bedeutet Teilung, wie geschrieben steht: ‚Und es war die Hälfte der Gemeinde.‘“ Demnach bezeichnet Mechiza etwas, das eine Sache in zwei Teile teilt. Ebenso heißt es in den Psalmen: „Deine Pfeile sind scharf; Völker fallen unter Dir; sie dringen ins Herz der Feinde des Königs.“3
Um all dies zu verstehen: Bekanntlich erfolgte die Einschränkung (Zimzum), damit die Angleichung der Form zustande kommt. Deshalb entstand eine Verhüllung, die „nicht offenbare Vorsehung“ heißt. Dadurch kam es zur Verhüllung des Angesichts des Schöpfers, weshalb es die Arbeit der freien Wahl gibt. Der Mensch muss große Arbeit leisten, um zu glauben, dass der Schöpfer die Welt als „gut und Gutes tuend“ lenkt.
Dies heißt, dass zwischen uns und unserem Vater im Himmel eine trennende Mauer entstand, wie geschrieben steht: „Siehe, Er steht hinter unserer Mauer.“ Wenn der Mensch betet, muss er darauf achten, dass nichts trennend dazwischensteht. Er muss sich also in Angleichung der Form mit dem Schöpfer vereinen, sodass alles dem Schöpfer zuliebe geschieht.
Wenn der Mensch dagegen für sich selbst sorgt, befindet er sich in Trennung. Kommen daher Gedanken der Trennung auf, werden sie „Pfeile“ genannt, denn sie töten die spirituelle Lebenskraft (Chajut) im Menschen. So heißt es: „Deine Pfeile“ – die Pfeile des Schöpfers – „sind scharf“; sie töten die Lebenskraft der Heiligkeit (Kedusha). Alle Pfeile, die man empfängt, entspringen einzig der Verhüllung, mit der der Schöpfer Sich verborgen hat.
Daraus folgt, dass die Geschöpfe üble Nachrede über die Vorsehung verbreiten. Wer hat dies verursacht? Der Schöpfer selbst. Das ist die Bedeutung der Worte: „Lieber soll der Pfeil in mich eindringen“ – also die üble Nachrede, die man über Ihn verbreitet – „als in meine Kinder.“ Denn durch die Verhüllung, die Er geschaffen hat, entstehen Gelegenheit und Wirklichkeit dafür, dass sie nicht bei den Pfeilen bleiben, das heißt nicht in der Trennung verharren.
Gerade indem sie sich während der Verhüllung überwinden, gelangen sie zur Angleichung der Form. Andernfalls bleiben sie in der Trennung, die „Trennwand“ oder „trennende Mauer“ heißt. Gerade dadurch erfüllt sich: „Und Ich brachte euch zu Mir.“
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026