418. Armut steht Israel gut
Tammus 5740 [Juni 1980]
Es steht geschrieben: „Denn Arme wird es im Land immer geben.“1 Ebenso sagten unsere Weisen: „Armut steht Israel gut.“2
Wir müssen verstehen: Bekanntlich gibt es kein Kli (Gefäß), das Genuss empfangen kann, außer der Sehnsucht danach. Denn der Mangel und die Sehnsucht nach einer Sache bestimmen, wie viel Genuss man aus ihr empfangen kann. So sagten unsere Weisen: „Wer Wasser trinkt, um seinen Durst zu stillen, spricht einen Segen über den Genuss.“3 Denn ohne Appetit genießt der Mensch das Essen nicht. Darüber heißt es: „Süß ist der Schlaf des Arbeitenden.“4
Entsprechend gilt für die Armut: „Arm ist nur, wer arm an Verstand ist.“5 Die Sehnsucht nach Verstand richtet sich also danach, wie sehr der Mensch empfindet, dass ihm Verstand fehlt. Daher müssen wir fragen: Wenn der Mensch bereits der Eigenschaft Israel würdig geworden ist und bereits spürt, dass ihm nichts fehlt und er nicht arm ist, woher nimmt er dann das Kli, das „Sehnsucht“ heißt?
Darauf antwortet die Tora: „Denn Arme wird es immer geben.“716 Der Schöpfer wird ihm vielmehr Mangel, Leere und Armut verschaffen, damit er Gefäße hat, um die Fülle zu empfangen. Somit ist „Denn Arme wird es immer geben“ eine Verheißung, welche die Tora Israel gab: Es wird ihnen immer Raum bleiben, zu immer höheren Stufen aufzusteigen. Das bedeutet „Armut steht Israel gut“717 usw., denn dadurch werden sie immer auf den Stufen aufsteigen.
Darüber heißt es: „Ein Armer gilt als tot.“6 Wenn der Mensch seinen Mangel so empfindet, als wäre er tot, hat er ohne dessen Füllung kein Leben. Er spürt, dass ihm etwas fehlt und dieser Mangel gefüllt werden muss. Dies nennt man ein Kli der Sehnsucht. Dadurch wird er die Füllung für seine Armut empfangen.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026