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428. Dies ist die Satzung der Tora – 2

„Dies ist die Satzung der Tora.“1 Rashi erklärt: „Weil der Satan und die Völker der Welt Israel verspotten und fragen: ‚Was ist das für eine Mizwa, und welchen Sinn hat sie?‘ Deshalb heißt es bei ihr ‚Satzung‘: Sie ist ein Erlass von Mir, und du hast nicht das Recht, ihn infrage zu stellen.“2

Wir müssen verstehen: Daraus scheint hervorzugehen, dass sie deshalb als „Satzung“ bezeichnet wird, weil die Völker der Welt nach ihrem Sinn fragen. Bei den übrigen Mizwot der Tora, nach deren Sinn die Völker der Welt nicht fragen, wäre demnach der Grund angegeben. Doch auch die Gründe der anderen Mizwot werden nicht erklärt. Eigentlich müsste es umgekehrt sein: Gerade dort, wo man nach dem Grund einer Sache fragt, sollte er genannt werden – und nicht dort, wo niemand fragt.

Ebenso müssen wir verstehen, wie dies mit dem Gleichnis zusammenhängt, das Rashi anführt: „Der Sohn einer Magd beschmutzte den Palast des Königs. Da sagte man: ‚Seine Mutter soll kommen und den Schmutz beseitigen.‘ Ebenso soll die Kuh kommen und das Kalb reinigen.“3 Daraus scheint hervorzugehen, dass dies der Grund für die Kuh ist.

Zu dem Vers „Sie sollen dir nehmen“4 erklärt Rashi: „Sie wird immer nach dir benannt – die Kuh, die Moses in der Wüste zubereitete.“756 Wir müssen verstehen, warum gerade die Kuh nach Moses benannt wird und nicht die anderen Mizwot. Schließlich erfüllte er in der Wüste noch weitere Mizwot.

Um all dies zu verstehen, müssen wir zunächst klären, worin das Ziel und der Sinn von Tora und Mizwot bestehen. Im Midrash Rabba fragt Rabbi zu dem Vers „So schlachte von deinen Rindern und deinen Schafen“5: „Was kümmert es den Schöpfer, ob man am Hals oder am Nacken schlachtet?“ Vielmehr muss man sagen: Tora und Mizwot wurden nur gegeben, um Israel durch sie zu läutern.6

Der Sinn ist folgender: Die Geschöpfe wurden mit der Natur erschaffen, empfangen zu wollen; dies heißt „grob“. Da man nicht gegen die Natur handeln kann, gab Er uns den Rat: Mithilfe von Tora und Mizwot können wir unsere Natur umkehren und auf den Wegen des Gebens gehen. Erst dann sind wir fähig, das Geschenk des Königs ohne jeden Mangel zu empfangen, also ohne das Brot der Schande (Nahama deKisufa).

Woran erkennt der Mensch, dass er nur um der Mizwa willen empfängt? Daran, dass er in sich spürt, er kann auf die Genüsse verzichten. Obwohl er ein Verlangen und eine Sehnsucht danach hat, empfängt er nur unter der Bedingung, dass dies der Wille des Schöpfers ist. Das bedeutet, nur um der Mizwa willen zu empfangen. Erst wenn er auf die Genüsse verzichten kann, gelangt er zum Empfangen, um zu geben.

Es gilt die Regel: Um sich an Verzicht zu gewöhnen, muss man zunächst bei kleineren Genüssen üben und danach bei größeren, denn man geht immer vom Leichten zum Schweren.

Wir haben die Überlieferung empfangen, dass der größte Genuss der Welt darin besteht, in Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer zu sein, nämlich in der Erlangung des Göttlichen. Deshalb heißt es im Sohar, dass eine Einschränkung (Zimzum) vorgenommen wurde. Sie ist eine Korrektur für das Brot der Schande.

Die Einschränkung bedeutet Verhüllung: Solange der Mensch noch unter der Herrschaft des Verlangens zu empfangen steht, kann er keinerlei Erlangung des Göttlichen empfinden. Denn der Genuss an dieser Erlangung ist so groß, dass man keinesfalls darauf verzichten kann. Das heißt: Selbst wenn dies keine Mizwa wäre, würde er den Genuss dennoch empfangen. Das nennt man „Trennung“ und lo liShma (nicht um des Gebens willen).

Damit der Mensch jedoch um der Mizwa willen handeln kann, also um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, musste es die Einschränkung geben, deren Sinn die Verhüllung ist. Während der Verhüllung ist die Arbeit in Tora und Mizwot im Glauben möglich: Der Mensch nimmt das Joch von Tora und Mizwot auf sich, weil es ein Erlass des Schöpfers ist. Dies heißt „Satzung“.

Es gilt die Regel: Wann empfindet man, dass etwas eine Satzung ist und keinen Grund hat? Nur dann, wenn im Menschen das Verlangen und die Sehnsucht erwachen, den Sinn zu erfahren, und er ihn nicht empfindet. Nimmt er dann das Joch von Tora und Mizwot auf sich, so nimmt er all dies einzig als Satzung an. Wenn dagegen kein Verlangen nach einer Begründung besteht, woher weiß er dann, dass es keinen Grund gibt, sondern nur eine Satzung?

Darauf deutet „Dies ist die Satzung der Tora“ hin. Die Satzungen der Tora erscheinen nur dann als Satzungen, wenn der Satan fragt – also der Böse Trieb (Jezer haRa). Unsere Weisen sagten: „Er ist der Satan, er ist der Böse Trieb, er ist der Engel des Todes.“7

Die Reihenfolge ist so: Wenn er fragt, welchen Sinn die Sache hat, heißt er „Böser Trieb“. Danach hindert er den Menschen daran, [die Mizwa] zu erfüllen; dann heißt er „Satan“, weil er sich ihm als Satan in den Weg stellt.

Anschließend tötet er ihn, und dann heißt er „Engel des Todes“. Denn er nimmt ihm die gesamte Lebenskraft (Chajut) der Heiligkeit (Kedusha), die der Mensch besaß, und gibt ihm stattdessen die Lebenskraft dieser Welt. Dann findet der Mensch keinen Geschmack am Leben mehr außer in materiellen Dingen. Das ist die Lebenskraft der Frevler, deren Leben als Tod gilt.

Aus all dem folgt: Nur wenn der Satan mit einem Einwand kommt und die gesamte Arbeit infrage stellt, muss man ihn überwinden und ihm antworten: „Dies ist die Satzung der Tora.“ Ich erfülle die Tora einzig aus dem Grund: „Satzung – sie ist ein Erlass von Mir, und es ist nicht erlaubt, ihn infrage zu stellen.“

So haben wir es von unserem Lehrer Moses, Friede sei mit ihm, empfangen, und wir glauben ihm: Die Kuh ist das Geheimnis des Glaubens, der als Satzung gilt. Deshalb wird die Kuh nach Moses benannt, der „Moses, der treue Hirte“ heißt, denn er brachte der Gesamtheit Israels den Glauben.

Das ist die Bedeutung der Aussage unserer Weisen, dass die Kuh nach Moses benannt wird: Es ist die Kuh, die Moses in der Wüste zubereitete. „Wüste“ bezeichnet den Zustand, bevor man das bewohnte Land Israel betritt. In den Büchern heißt es, das Land Israel bedeutet, dass die Shechina (göttliche Gegenwart) beständig in vollständiger Erlangung gegenwärtig ist; dies heißt „offenbarte Welt“. Die Wüste hingegen bezeichnet die „verborgene Welt“, also eine Satzung.

Die Bedeutung des Kalbs wird in der Einführung in das Buch Sohar8 anhand des Verses „Erhebt eure Augen zur Höhe und seht: Wer erschuf diese?“9 erklärt. „Wer“ bezeichnet Or Chassadim, und „diese“ bezeichnet Or Chochma ohne Chassadim.

„Wer“ bezeichnet den Zustand, in dem der Satan kommt und fragt: „Wer ist der Ewige, dass ich auf Seine Stimme hören sollte?“10 Dann muss man alles als Satzung auf sich nehmen. Dies entspricht Chassadim, also dem Geben: Alles ist nur über dem Verstand; dies heißt Glaube und ist die Eigenschaft von „Moses, dem treuen Hirten“.

„Diese“ dagegen bezeichnet das Wissen. Darüber heißt es: „Diese sind deine Götter, Israel.“11 Die Tat mit dem Kalb, die Chochma und Wissen heißt, ist also das Gegenteil der Kuh, die Glaube heißt. Deshalb ist das Annehmen der „Satzung der Tora“ eine Korrektur der Tat mit dem Kalb.

Das ist die Bedeutung von „Die Mutter soll kommen und ihren Sohn reinigen“. Ebenso erklärt sich „auf die kein Joch gekommen ist“.12 Mein Vater und Lehrer erklärte, man muss den Glauben mit Freude annehmen und nicht als Joch. Denn ein Joch bedeutet, dass der Mensch es loswerden will und auf eine Gelegenheit wartet, es von sich abzuwerfen. So heißt es: „Weil du dem Ewigen, deinem Gott, nicht mit Freude gedient hast.“13

Aus all dem folgt: Der Glaube dient vor allem dazu, dass der Mensch in freier Wahl arbeiten kann. Selbst wenn er das Gute und den Genuss in Tora und Mizwot nicht empfindet, erfüllt er sie dennoch, weil er glaubt, dass es der Wille des Schöpfers ist, Ihm im Glauben zu dienen.

Auf andere Weise will er nicht empfangen. Er bleibt in seiner Meinung hart wie Eisen, wie unsere Weisen sagten: „Jeder Tora-Gelehrte, der nicht hart wie Eisen ist, ist kein Tora-Gelehrter.“14

Daraus folgt: Auch wenn jemand den Talmud und die religionsgesetzlichen Entscheidungen gründlich kennt, ist er dennoch kein Tora-Gelehrter, wenn er nicht hart wie Eisen ist. Er muss gegenüber dem Empfang des Genusses hart wie Eisen bleiben – sowohl im Mocha (Verstand) als auch im Liba (Herz) –, bis er in seinem eigenen Verstand fest verankert hat, dass seine gesamte Absicht allein dem Willen des Schöpfers entspringt. Gerade er wird „Tora-Gelehrter“ [wörtlich: Schüler eines Weisen] genannt, denn der Schöpfer heißt „der Weise“ und gibt ausschließlich.

Wenn der Mensch daher der Eigenschaft des Schöpfers folgt, also ebenfalls gibt, gilt er als Tora-Gelehrter: Er lernt die Eigenschaft des Weisen, die Eigenschaft des Schöpfers. Erst dann sind wir fähig, all das Gute und den Genuss zu empfangen, die der Schöpfer für uns vorgesehen hat.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. 4. Mose 19:2 (Wochenabschnitt Chukat). ↩

  2. 4. Mose 19:2, Kommentar Rashi. ↩

  3. 4. Mose 19:22, Kommentar Rashi, nach Midrash Tanchuma, Wochenabschnitt Chukat. ↩

  4. 4. Mose 19:2. ↩

  5. 5. Mose 12:21. ↩

  6. BeReshit Rabba 44:1. ↩

  7. Babylonischer Talmud, Baba Batra 16a. ↩

  8. Sohar, Einführung, Abschnitt „Wer erschuf diese“. ↩

  9. Jesaja 40:26. ↩

  10. 2. Mose 5:2. ↩

  11. 2. Mose 32:4. ↩

  12. 4. Mose 19:2. ↩

  13. 5. Mose 28:47. ↩

  14. Babylonischer Talmud, Taanit 4a. ↩