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423. Drei Linien – 2

Die Rechte Linie heißt Chessed (Güte), die Eigenschaft von „denn Er hat Gefallen an Güte“.1 Dies ist die Eigenschaft dessen, der mit seinem Anteil zufrieden ist, das heißt, der sich mit wenig begnügt.

Dies ist so gemeint, wie es mein Vater und Lehrer zur Aussage unserer Weisen über den Vers „der niemanden bevorzugt und keine Bestechung annimmt“2 usw. erklärte: Sie sind streng mit sich bis zur Größe einer Olive und eines Eies. Zu „bis zur Größe einer Olive“ sagte er: Es ist wie bei der Taube, die sprach: „Meine Nahrung soll lieber bitter wie eine Olive sein, aber aus der Hand des Schöpfers kommen“ usw.

Und „bis zur Größe eines Eis“: Zwar schlüpft aus dem Ei ein lebendiges Küken, doch solange es noch ein Ei ist, hat es kein Leben. Trotzdem sind sie streng mit sich, obwohl das Gesetz lautet: „Du wirst essen, satt werden und segnen“3 – also ein Essen, das sättigt. Und dies heißt „mit seinem Anteil zufrieden“.

Doch mit dieser Eigenschaft wird er in seiner Katnut (Kleinsein) bleiben und keinerlei Bedürfnis nach der Tora haben. Denn die Tora wird für den Bösen Trieb (Jezer haRa) benötigt, wie es heißt: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen; Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Daher gibt es die Linke Linie. Sie ist die Selbstprüfung (Cheshbon haNefesh): Wie stark ist der Grund, der ihn zu Tora und Mizwot verpflichtet? Welchen Lohn hofft er als Gegenleistung für diese Arbeiten zu empfangen? Und wie viel Verständnis hat er von Tora und Mizwot auf dem Weg der Wahrheit?

Dann sieht er nur das Negative und nichts Positives. Dieses Negative muss er in die Rechte Linie einschließen, sich mit wenig begnügen und mit seinem Anteil zufrieden sein, als hätte er eine sättigende Mahlzeit gehabt.

Es zeigt sich, dass die Linke Linie ihm immer die Eigenschaft des Wenigen bringt, damit er weiß, was er in die Rechte Linie einbringen soll, und sich mit wenig begnügt. Durch beide gelangt man zur Mittleren Linie. Und darum heißt es: „Der Vater gibt das Weiße.“ Denn er befindet sich immer in der Eigenschaft des Weißen, in dem es keinerlei Mangel gibt, weil er mit seinem Anteil zufrieden ist.

Und: „Die Mutter gibt das Rote“ – das heißt, er ist nicht, wie er sein sollte, sondern nur rot. Dies ist die Eigenschaft Esaus, der „rot“ heißt. Dann gibt der Schöpfer, der als Mittlere Linie bezeichnet wird, die Seele, und dann wird der Mensch der Eigenschaft der Tora würdig.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Micha 7,18. ↩

  2. 5. Mose 10,17. ↩

  3. 5. Mose 8,10. ↩