429. Damit alles mit der Absicht zu geben geschieht
„Dies ist die Satzung der Tora.“1 Rashi erklärt: „Weil der Satan und die Völker der Welt Israel verspotten und fragen: ‚Was ist das für eine Mizwa, und welchen Sinn hat sie?‘ Deshalb heißt es bei ihr ‚Satzung‘: Sie ist ein Erlass von Mir, und du hast nicht das Recht, über sie nachzugrübeln.“2
Zur roten Kuh gibt es ein Gleichnis: Der Sohn einer Magd beschmutzte den Palast. Da sagte man: „Seine Mutter soll kommen und den Unrat beseitigen.“ Ebenso soll die Kuh kommen und für das Kalb sühnen.3 Gemeint ist die Absicht, die man festlegte: Alles soll mit der Absicht zu geben geschehen.
Die Formulierung „Weil der Satan und die Völker der Welt Israel verspotten …“ bedeutet, dass dies für sie eine Satzung ist. Man muss ihnen also antworten: „Sie ist ein Erlass von Mir, und du hast nicht das Recht, über sie nachzugrübeln.“ Für Israel hingegen ist dies keine Satzung. Dazu gibt es den Ausspruch unserer Weisen: „Für dich ein Sinn, nur für die anderen eine Satzung.“4
Die Frage lautet: „Was ist das für eine Mizwa, und welchen Sinn hat sie?“ Nach der verborgenen Auslegung bezieht sich dies darauf, worauf man sich ausrichten muss: dass alles mit der Absicht zu geben geschieht. Dann fragen der Satan und die Völker der Welt: „Was ist das für eine Mizwa? Fehlt es dem Schöpfer etwa an etwas, sodass wir Ihm Genuss und Freude bereiten müssten? Doch im Gegenteil: Er will Seinen Geschöpfen Gutes tun und nicht, dass die Geschöpfe Ihm Gutes tun.“ Außerdem fragen sie: „Welchen Sinn hat sie?“5
Welchen Sinn kann ein Mensch darin finden, wenn man ihm sagt, er darf nicht zum eigenen Nutzen arbeiten, was „Empfangen, um zu empfangen“ heißt? Der Mensch muss also eine Stufe erreichen, auf der er keinen Genuss um des eigenen Genusses willen empfängt, sondern nur, um den Schöpfer zu erfreuen.
Welchen Sinn kann ein Mensch in einer solchen Arbeit finden, die ihn dazu verpflichtet, sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen? Schließlich sehen der Satan und die Völker der Welt darin keinen ausreichenden Grund, der ihn dazu bewegen würde, sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen „mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele“.6
Im Gegenteil: Der Mensch versteht, dass er auf den eigenen Nutzen aus materiellen Dingen verzichtet, um dafür größere Genüsse für den eigenen Nutzen zu erlangen. Doch welchen Sinn kann es in einem Kli (Gefäß) des Gebens geben?
Darauf kommt die Antwort: Deshalb heißt es bei ihr „Satzung“: „Sie ist ein Erlass von Mir, und du hast nicht das Recht, über sie nachzugrübeln.“7 Das bedeutet: Man darf dem Körper keine Antwort geben, wenn er die Frage des Satans und der Völker der Welt stellt. Vielmehr muss man dem Körper sagen: „So ist es. Es ist ein Erlass des Himmels, dass uns die Absicht zu empfangen verboten ist.“ Nur dann lässt man sich nicht auf Streitgespräche ein, und dann kann man siegen.
Wenn jedoch die Eigenschaft „Israel“ entsteht, ist es umgekehrt: Der Mensch empfindet Genuss und Geschmack nur dann, wenn er mit der Absicht zu geben handeln kann. Kann er diese Absicht nicht ausrichten, empfindet er sich selbst als schlecht und in einem Zustand des Todes. Denn dann spürt er, dass „die Frevler noch zu Lebzeiten Tote genannt werden“.8 Er wird nämlich dann damit belohnt, den Geschmack der Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer zu empfinden – und im Gegensatz dazu den der Trennung von Ihm.
Das ist die Bedeutung der Worte: „Weil der Satan und die Völker der Welt Israel verspotten …“ Wenn die Menschen hingegen die Eigenschaft „Israel“ erlangen und sich der Herrschaft der Völker der Welt entziehen, ist es umgekehrt: Den ganzen Geschmack des Lebens empfinden sie gerade in der Absicht zu geben, und das heißt Anhaftung.
Das ist die Bedeutung von: „Die Mutter soll kommen und ihren Sohn reinigen.“ Beim Kalb ging es darum, dass man in den Zustand des Empfangens mit der Absicht zu empfangen fiel. Die Kuh löscht daher das Geschehen mit dem Kalb aus. Denn „Kuh“ bezeichnet die Absicht liShma, also die Annullierung des eigenen Selbst. Dies entspricht dem Verbrennen der Kuh.
Wie im Sulam (Leiter-Kommentar) erklärt wird, entspricht dies der Aussage „Geh und verringere dich selbst“, die über den Mond gesagt ist. Er kehrt zu einem Punkt zurück und verliert die gesamte Linke Linie, die Chochma heißt. Damit vergeht die Verfehlung des Kalbs, und der Mensch handelt nur noch mit der Absicht zu geben.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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4. Mose 19:2 (Wochenabschnitt Chukat). ↩
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4. Mose 19:2, Kommentar Rashi. ↩
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Ebenda, 4. Mose 19:2, Kommentar Rashi. ↩
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Midrash Tanchuma, Wochenabschnitt Chukat, 19:8. ↩
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Hebräisch taam bedeutet zugleich „Sinn“, „Begründung“ und „Geschmack“; das Wortspiel trägt den ganzen Text. ↩
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5. Mose 6:5. ↩
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4. Mose 19:2, Kommentar Rashi. ↩
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Babylonischer Talmud, Brachot 18b. ↩