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359. Und Isaak säte in jenem Land

Toldot 5740 [November 1979]

„Und Isaak säte in jenem Land und fand in jenem Jahr hundertfach; und der Ewige segnete ihn.“1

Man muss fragen: Warum gerade hundertfach? Warum nicht hundertfünfzigfach, was doch bedeutender ist als hundert? Wenn der Vers so stark übertreiben will, warum findet Isaak dann nur hundertfach? Außerdem ist zu fragen: „Und der Ewige segnete ihn“ hätte vor „und fand hundertfach“ stehen müssen. Daraus geht hervor, dass auch dann noch Raum für den Segen des Schöpfers bestand, nachdem Isaak den hundertfachen Ertrag erhalten hatte. Was fehlte ihm noch, worauf der Segen hätte ruhen können?

Auch zu dem Vers „denn er wurde sehr groß“ ist zu fragen. Rashi erklärt2, die Menschen sagten: „Der Mist und die Maultiere Isaaks und nicht das Silber und Gold Abimelechs.“ Obwohl es dazu viele Auslegungen gibt, bleibt der einfache Wortsinn schwer verständlich.

In der Einführung in Talmud Esser haSefirot heißt es, dass es neben der Umkehr (Teshuwa) aus Liebe auch eine Umkehr aus Ehrfurcht gibt. Dann wird der Mensch als „Mittlerer“ bezeichnet. Baal HaSulam bringt dort ein Gleichnis dazu: Es ist wie bei zwei Menschen, die einen Bund der Liebe geschlossen haben, weil sie einander Gutes und Genuss schenken.

Dabei gibt es zwei Möglichkeiten:

1) Zwischen ihnen herrschte immer Liebe.

2) Anfangs hatten sie einander Vorwürfe gemacht; erst nach einiger Zeit entstand zwischen ihnen Liebe, und beide schlossen einen Bund.

So erklärt Baal HaSulam die Umkehr aus Ehrfurcht: Vorsätzliche Verfehlungen werden dem Menschen wie unbeabsichtigte Verfehlungen angerechnet. Daher besteht erst nach der Umkehr Liebe zwischen den beiden Menschen; zuvor hatte der Mensch vorsätzliche Verfehlungen. Die Umkehr aus Ehrfurcht heißt deshalb die Stufe des Mittleren, denn es gibt hier zwei Zeitabschnitte: Vor der Umkehr bestand zwischen ihnen keine Liebe, danach hingegen schon.

Wird er dagegen der Umkehr aus Liebe würdig, werden ihm vorsätzliche Verfehlungen wie Verdienste angerechnet. Daraus folgt, dass auch der Zeitabschnitt vor der Umkehr korrigiert wird, da alle Verfehlungen zu Verdiensten geworden sind; siehe dort. Nun heißt er „vollkommener Gerechter“, weil er bereits keinerlei vorsätzliche Verfehlungen mehr hat.

Dies ist die Bedeutung von „Isaak säte … und fand hundertfach“: Es bedeutet hundert Prozent, denn mehr als hundert Prozent gibt es nicht. Gemeint ist, dass er sogar die Zeit vor seiner Umkehr korrigierte – also sogar jene Zeit, in der er vorsätzliche Verfehlungen hatte. Das wird „Mist und Abfall“ genannt.

„Maultiere“ (Predot) deutete mein Vater und Lehrer als Trennung (Perud): Während der Verhüllung des Angesichts fühlt sich der Mensch vom Schöpfer getrennt und muss sich mit Ihm verbinden und an Ihm anhaften. Auch dies wurde bei Isaak korrigiert.

Bei der Umkehr aus Ehrfurcht besitzt der Mensch zwar nach der Umkehr bereits „Silber und Gold“. Dabei wird „Silber“ mit „Sehnsucht“ (Kissufim) verbunden und „Gold“ mit „gib dies“ (se haw): Der Schöpfer soll ihm Liebe und Ehrfurcht geben, weil er sich bereits nach dem Schöpfer sehnt. Dann wird der Schöpfer „mein Vater ist König“ (Awi Melech) genannt. Diese Stufe besteht jedoch erst nach der Umkehr.

Vor der Umkehr bleiben dagegen vorsätzliche Verfehlungen zurück, die „Mist und seine Maultiere“ genannt werden. Das ist die Bedeutung der Aussage: „Der Mist und die Maultiere Isaaks sind wichtiger als das Silber und Gold Awi Melechs“ – wobei „Awi Melech“ hier die deutende Lesart des Namens Abimelech ist. Denn der Mist und die Maultiere Isaaks – der für die Umkehr aus Liebe steht – sind wichtiger als die Umkehr aus Ehrfurcht, die „Silber und Gold Abimelechs“ genannt wird.

Wie im Sulam (Leiter-Kommentar) erklärt wird, erlangt man die Vergebung der Sünden erst, wenn man des Lichts von Chochma (Weisheit) würdig wird. Isaak steht für Gwura (Strenge) und damit für Chochma; dies wird „hundertfach“ genannt, weil sämtliche hundert Prozent seiner Lebensjahre korrigiert wurden. Doch es bedarf noch der Mittleren Linie, die „Segen“ heißt: Chassadim (Gnaden), die Chochma einkleiden, wie im Sulam erklärt wird.

Deshalb beginnt die Tora mit dem Buchstaben Bet von Bereshit („Im Anfang“), denn Bet steht für Segen (Bracha), also für Chessed. Daher heißt es nach all dem: „Und der Ewige segnete ihn“ – er wurde der Einbeziehung in die Mittlere Linie würdig.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. 1. Mose 26:12. ↩

  2. Rashi zu 1. Mose 26:13. ↩