296. Der Kern der Schöpfung und die Korrektur der Schöpfung
29. Tammus 5724 [9. Juli 1964]
Das Wesen der Schöpfung und die Korrektur der Schöpfung. Bekanntlich besteht das Schöpfungsziel darin, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Der Schöpfer will den Unteren also alles Gute geben. Solange der Mensch noch nicht die Vollkommenheit der Genüsse empfangen hat und noch immer einen gewissen Mangel empfindet, ist dies ein Zeichen dafür, dass er die Vollkommenheit des Ziels noch nicht erreicht hat.
Um jedoch die Vollkommenheit der Schöpfung zu empfangen, ist eine Korrektur erforderlich. Dies ist die Korrektur der Schöpfung, die den Geschöpfen obliegt. Darin besteht die Bedeutung von: „die der Schöpfer erschuf, um sie zu vollbringen.“
Diese Korrektur ist das Verlangen zu geben. Wie in den Schriften von Baal HaSulam erklärt wird, kann der Mensch die höheren Genüsse nicht empfangen, bevor er seine Absicht so korrigiert hat, dass alle seine Handlungen um des Himmels willen geschehen. Diese Stufe heißt „empfangen, um zu geben“.
Die Arbeit des Gebens ist die ganze Arbeit, die wir zu leisten haben, weil sie der in uns eingeprägten Natur entgegensteht, die „Verlangen zu empfangen“ heißt. Wir müssen das Gegenteil tun: nur danach verlangen zu geben und nicht für uns selbst zu empfangen.
Dies lässt sich anhand eines Gleichnisses verstehen. Wenn ein Mensch ein Haus haben möchte, heißt das Empfangen des Hauses „Ziel“; die Vollkommenheit seines Verlangens besteht darin, dass er ein Haus besitzt. Damit man ihm das Haus gibt, muss er jedoch eine Korrektur vornehmen. Bevor er diese Korrektur vorgenommen hat, erhält er das Haus nicht. Daraus folgt, dass er zweierlei zu tun hat:
1) Er beschäftigt sich damit, das Ziel zu empfangen, also das Haus zu erhalten: Er zieht in das Haus ein, bringt seine Sachen hinein und Ähnliches.
2) Er beschäftigt sich damit, die Korrektur zu erlangen – also damit, wie er jene Korrektur erlangt, durch die er das Haus erhalten wird. Die Korrektur, die nötig ist, damit man ihm das Haus gibt, heißt „Geld“. Wenn er dem Eigentümer Geld gibt, gibt ihm der Eigentümer das Haus.
Um das Geld zu erlangen, muss er sich jedoch anstrengen. Erst nachdem er sich angestrengt hat, erhält er als Gegenleistung für seine Anstrengung einen Lohn. Sobald er das Geld hat, erhält er das Haus vom Eigentümer. Bevor er ihm jedoch das Geld gibt, erhält er das Haus nicht. Somit ist das Geld die Korrektur und Vorbereitung, durch die er würdig wird, das Haus zu erhalten.
Daraus folgt: Wenn der Mensch sich anstrengt, um Geld zu erlangen, beschäftigt er sich mit Korrekturen. Die ganze Arbeit, bei der er sich anstrengt und Erfolg haben muss, bezieht sich nur auf das Erlangen der Korrektur, also des Geldes. Wenn er sich dagegen damit beschäftigt, das Haus zu erhalten, hat er keinerlei Arbeit. Wie bedeutend das Haus ist, hängt allein von den Korrekturen ab, also davon, wie viel Geld er besitzt.
Daraus verstehen wir, dass auch im Spirituellen das Ziel – die Genüsse – nicht erreicht werden kann, bevor der Mensch die Korrektur vorgenommen hat. Die Korrektur ist das Verlangen zu geben, also liShma, das heißt um des Gebens willen und nicht zum eigenen Nutzen. Wenn er liShma tätig ist, dann gilt, was unsere Weisen sagten: „Man offenbart ihm die Geheimnisse der Tora, und er wird wie eine Quelle, die immer stärker hervorquillt, und die ganze Welt ist seiner wert.“ Besitzt er jedoch nicht das Verlangen nach liShma, wird man ihm nichts Spirituelles geben.
Daraus folgt, dass das Verlangen nach liShma dem Geld im Materiellen gleicht: Das Maß, in dem das Ziel erreicht wird, hängt von der Größe des Verlangens nach liShma ab. So wie man Geld nicht ohne Anstrengung erlangen kann und es erst nach der Anstrengung erhält, kann man auch das Verlangen nach liShma nicht ohne Anstrengung empfangen.
Indem sich der Mensch in Tora und Mizwot anstrengt, wird er also des Verlangens nach liShma würdig. Er muss sehen, dass die gesamte Gegenleistung für Tora und Mizwot, auf die er hofft, darin besteht, dass man ihm das Verlangen nach liShma gibt. Sobald er dieses Verlangen besitzt, ist er fähig, das Ziel und die Vollkommenheit zu empfangen. Daher gibt es die Arbeit an den Korrekturen, also die Beschäftigung mit dem Erlangen der Korrektur, und es gibt die Beschäftigung damit, das Ziel zu empfangen.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026