282. Sei mit einem kleinen Gebot so achtsam wie mit einem großen – 2
„Sei bei einer leichten Mizwa ebenso achtsam wie bei einer schwerwiegenden, denn du kennst den Lohn der Mizwot nicht.“1 Ebenso steht geschrieben: „Und wenn ihr aufmerksam hört.“
Doch wie ist das zu verstehen? Schließlich sagten sie: „Seid vielmehr wie Diener, die ihrem Meister dienen, ohne dafür Belohnung zu erwarten.“2
Lohn ist jedoch wie „Geld“, denn jeder, der arbeitet, tut dies nur für einen Lohn. Jeder erhält Lohn entsprechend seiner Anstrengung. Das Geld, mit dem die Anstrengung entlohnt wird, bedeutet: Mit Geld kann er alle Genüsse kaufen, nach denen sein Herz verlangt. Wie man sagt, kann man mit Geld bis in die innersten Gemächer des Königs gelangen.
Das bedeutet: Lohn ist etwas Allgemeines, mit dem man alle Genüsse erlangen kann. Über das Spirituelle ist bekannt, was im heiligen Sohar und in den Schriften des ARI steht: Alle Genüsse, die wir im Materiellen finden, sind nur ein feines Leuchten, das sich aus dem Spirituellen herabzieht. Der wesentliche Genuss aber offenbart sich in Tora und Mizwot.
Dass wir in Tora und Mizwot Verhüllung empfinden, geht auf die Kraft des Zimzum (Einschränkung) zurück. Er dient dazu, das Brot der Schande (Nahama deKisufa) zu korrigieren, also Angleichung der Form zu erreichen, im Sinne von: „Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig.“
Wenn ein Mensch daher würdig wird und eine Stufe erreicht, auf der alle seine Handlungen um des Himmels willen geschehen, verlässt er den Zimzum in dem Maß, in dem er empfangen kann, um zu geben, und gelangt zur Enthüllung. Dies entspricht dem Geheimnis: „Er stand auf und verbarg es für die Gerechten in der Zukunft.“
Daraus folgt: Alle Finsternis, die wir im Spirituellen empfinden, geht auf die Kraft des Bösen in uns zurück – auf das Empfangen, um zu empfangen. Darüber sagten unsere Weisen: „Ich erschuf den Bösen Trieb (Jezer haRa); Ich erschuf die Tora als Gewürz.“3 Durch die Tora erlangen wir also die Kraft, den Empfangenden in uns zu unterwerfen, damit er sich [mit Tora und Mizwot] befassen kann, um zu geben.
Alles, was wir von Tora und Mizwot empfangen wollen, ist demnach die Kraft, das Böse zu unterwerfen. Das ist unser ganzer Lohn, den wir von Tora und Mizwot zu erhalten hoffen. Denn sobald wir die Kraft zu geben erlangt haben, können wir all das Gute und den Genuss erlangen, die der Schöpfer für uns bereitet hat.
Daraus erklärt sich die Aussage: „Sei bei einer leichten Mizwa ebenso achtsam wie bei einer schwerwiegenden, denn du kennst den Lohn der Mizwot nicht.“ Gemeint ist: Du weißt nicht, welche Mizwa besser geeignet ist, die Kraft zu geben zu erlangen, die in der Weisheit der Kabbala Or Choser (zurückgeworfenes Licht) genannt wird.
Daher sagt der Vers: „Und wenn ihr aufmerksam hört.“ Durch das Einhalten der Tora können wir nämlich die Kraft erlangen, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. Dann werden wir von selbst alles Gute haben, denn mehr als das Kalb saugen will, will die Kuh es säugen. Uns fehlt nur die Absicht zu geben, weil über dem Empfangen, um zu empfangen, ein Zimzum stattfand.
Der wesentliche Lohn, den der Mensch durch das Einhalten von Tora und Mizwot erhalten soll, besteht daher nur darin, das Böse zu verlassen, das „Empfangender“ genannt wird, und in einen Zustand einzutreten, in dem er einzig dem Schöpfer Wohlgefallen bereitet.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026