289. Der Schöpfer nimmt es mit den Gerechten genau
9. Siwan 5722 [11. Juni 1962], Antwerpen
„Der Schöpfer nimmt es mit den Gerechten bis auf ein Haar genau.“1
Wenn sich ein Mensch im Zustand eines Gerechten befindet, also während eines Aufstiegs, nimmt der Schöpfer es mit ihm genau, damit seine Absicht um des Himmels willen ist. Er soll sich also nicht auf diesen Aufstieg stützen und sagen: „Jetzt sehe ich, dass es sich lohnt, dem Schöpfer zu dienen“, weil er nun Genuss an seiner Arbeit empfindet. Dann geschieht seine Arbeit nicht um des Himmels willen, denn nicht der Glaube an den Schöpfer bringt ihn dazu, dem Schöpfer zu dienen, sondern der Genuss ist der Antrieb.
Und was tut der Schöpfer? Er lässt ihn fallen, sodass er aus seinem hohen Zustand in einen Zustand der Niedrigkeit hinabfällt. So wird er auf der Stelle bestraft. Dies ist die Bedeutung der Worte: „Um Ihn herum stürmt es gewaltig.“ Das heißt: Der Schöpfer nimmt es mit der Zeit der Gerechtigkeit genau.
Wenn sich der Mensch hingegen in einem Zustand der Niedrigkeit befindet, also keinen Geschmack an der Arbeit empfindet, gibt es nichts, worin der Schöpfer es mit ihm genau nehmen müsste. Denn er befindet sich ohnehin in Niedrigkeit und muss nun daran arbeiten, dem Schöpfer näherzukommen. Daher kann man nicht sagen, dass der Schöpfer ihm den Geschmack an der Arbeit nimmt, denn gegenwärtig hat er überhaupt keinen Geschmack daran.
Der Schlag, den der Mensch vom Schöpfer empfängt, besteht darin, dass Er ihm den Geschmack an der Arbeit nimmt. Gerade dadurch heilt Er ihn, denn dann hat der Mensch keine andere Möglichkeit, dem Schöpfer zu dienen, als im Glauben über dem Verstand. So kann er gerade durch den Schlag, den er vom Schöpfer empfangen hat, geheilt werden; andernfalls bliebe er in Trennung.
Damit verstehen wir, was unsere Weisen sagten: „Womit der Schöpfer schlägt, damit heilt Er“ (Mechilta Beschalach). Eben darin besteht die Heilung: Er gibt dem Menschen Raum, im Glauben ohne jede Stütze zu arbeiten.
Ebenso ist zu verstehen, was unsere Weisen sagten: „Der Schöpfer erlässt eine Verfügung, und ein Gerechter hebt sie auf.“2 Dass der Schöpfer eine Verfügung erlässt, bedeutet, dass Er dem Menschen den Genuss an der Arbeit nimmt. Und es gibt keine größere Verfügung als diese, denn Er nimmt ihm die Lebenskraft (Chajut) der Arbeit.
„Und ein Gerechter hebt sie auf“ bedeutet: Wenn der Mensch sagt, dass er ohne jede Gegenleistung in Form von Lebenskraft und Genuss arbeiten will, hebt sich die Verfügung von selbst auf. Im Gegenteil, er steigt nun auf eine höhere Stufe auf, denn jetzt befindet er sich im Zustand reinen Glaubens, der „ohne Eigennutz“ genannt wird.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026