283. Sei mit einem kleinen Gebot so achtsam wie mit einem großen – 3
Tazaw, 1962
„Sei bei einer leichten Mizwa ebenso achtsam wie bei einer schweren.“
Als „leichte Mizwa“ gilt etwas, das dem Menschen leicht und nicht besonders wichtig erscheint. Gemeint ist der Glaube, denn er steht über dem Verstand. Für den Glauben braucht man kein großes Wissen, weil er nur im Herzen angenommen und nicht im Mocha (Gehirn) erlangt wird.
Eine „schwere Mizwa“ bedeutet Wissen: Für den Menschen ist sie gewichtig, weil er weiß, dass nicht jeder Mensch die Stufe der Erlangung erreicht.
Daher geht der Mensch bei Dingen, die zur Erlangung gehören, vorsichtig vor, damit er die Erlangung nicht verfehlt. Oder aber er kann seine Kraft nur in Dinge investieren, durch die er zum Wissen gelangen kann, weil es sich für ihn lohnt. Was hingegen zum Glauben gehört, ist in seinen Augen leicht, und er kann seine Trägheit nicht überwinden, um seine Kraft für etwas einzusetzen, das ihm nicht besonders wichtig ist.
Daher sagten die Weisen: „Sei bei einer leichten Mizwa ebenso achtsam wie bei einer schweren, denn du kennst den Lohn der Mizwot nicht.“
Der Mensch meint nämlich, dass er den Lohn für etwas erhält, das oben Wohlgefallen bereitet. Wenn er daher lernt und in seinem Lernen Segen sieht – das heißt, wenn er Lebenskraft (Chajut) besitzt und neue Erkenntnisse in der Tora hervorbringen kann – oder wenn er beim Gebet Liebe, Ehrfurcht, Anhaftung (Dwekut) und Begeisterung empfindet, dann achtet er sorgfältig darauf und möchte seine Arbeit fortsetzen.
Obwohl er sieht, dass er keine Zeit hat und beschäftigt ist, besitzt er dennoch die Kraft, sich bis zur Selbsthingabe einzusetzen, um das Lernen der Tora und das Gebet nicht zu unterbrechen. Denn darin empfindet er eine Form des Wissens: Er weiß und spürt selbst, dass diese Tora und dieses Gebet oben Wohlgefallen bereiten. Deshalb achtet er zu einer solchen Zeit darauf, seine Arbeit auf jede nur mögliche Weise auszuführen.
Anders ist es bei einer leichten Mizwa. Sie beruht nur auf der Annahme des Jochs des Königtums des Himmels; der Mensch empfindet keinen Geschmack an der Tora und hat keinerlei Lebenskraft im Gebet. Zu einer solchen Zeit befindet er sich in der Stufe der „leichten Mizwa“.
Wenn eine solche Arbeit für ihn keinerlei Bedeutung hat, will er weder achtsam sein noch die Hindernisse überwinden, die ihm begegnen. Er sagt sich: Wenn er keinerlei Lebenskraft hat, ist die Beschäftigung mit Tora und Mizwot oben ohnehin nicht wichtig. Deshalb will er die Arbeit schon wegen eines kleinen Hindernisses abbrechen, denn auch oben ist sie nicht wichtig und er erhält keinen großen Lohn.
Darum sagten die Weisen: „Du kennst den Lohn der Mizwot nicht.“ Das bedeutet: Der Schöpfer empfängt Wohlgefallen aus dem Zustand seiner Katnut (Kleinsein), der allein auf der Annahme des Jochs des Königtums des Himmels beruht – ohne Wissen, Verstand oder ein anderes Empfinden aus der Zeit der Gadlut (Erwachsensein). Denn oben ist vor allem die Arbeit in der Zeit der Katnut wichtig und nicht die Gadlut.
Da der Mensch nicht weiß, aus welchem Zustand oben mehr Wohlgefallen entsteht, soll er bei einer leichten Mizwa – also im Zustand der Katnut – ebenso achtsam sein wie bei einer schweren, also im Zustand der Gadlut.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026