287. Er wendet sein Ohr vom Hören der Tora ab
Schabbat Shuwa 5723 [6. Oktober 1962], Bnei Brak
„Rabbi Chanina bar Papa sagte: Bei jedem, der sein Ohr vom Hören der Tora abwendet, wird sein Gebet verabscheut, wie es heißt: ‚Wer sein Ohr vom Hören der Tora abwendet, dessen Gebet ist ebenfalls ein Gräuel‘.“1
Und es ist zu fragen:
1) Was bedeutet die Formulierung „sein Ohr abwendet“? Warum heißt es nicht einfach: „Wer die Tora nicht gehört hat“? Denn die Formulierung „abwendet“ legt nahe, dass man nur sein Ohr hinhalten und zuhören muss und dies schon genügt, ohne dass man die Tora zu studieren braucht, weil man bereits durch das bloße Hören seiner Pflicht gegenüber der Tora nachkommt.
2) Weshalb sollte sein Gebet verabscheut werden? Ist es denn möglich, dass alle Menschen die Tora studieren? Sollte etwa das Gebet eines Menschen bereits ein Gräuel sein, nur weil er nicht zu denen gehört, die die Tora studieren?
3) Bekanntlich gibt es Notwendiges und Luxus. Das Gebet gilt als etwas Notwendiges, die Tora dagegen als Luxus. Deshalb wird die Tora als „Gabe“ bezeichnet, denn eine Gabe gehört nur zum Luxus. Demnach müssen wir verstehen: Wenn jemand sein Ohr davon abwendet, vom Luxus zu hören, weshalb sollte dann auch das Notwendige ein Gräuel sein?
Dies ist so zu erklären: Bekanntlich besteht der Schöpfungszweck darin, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Damit sie die Gabe des Schöpfers in vollem Umfang empfangen können und diese Gabe vollkommen ist, ohne jedes Gefühl von Unbehagen, gab Er uns die Arbeit der Wahl, bei der die Absicht um des Schöpfers willen sein soll. Andernfalls steht der Mensch unter der Herrschaft der Einschränkung (Zimzum), das heißt, er spürt nicht, dass in der Arbeit für den Schöpfer Genuss liegt.
All dies geschah, damit der Mensch dadurch in einen Zustand gelangt, in dem er alle Gaben des Königs empfangen kann, ohne dass darin die Eigenschaft des „Brotes der Schande“ liegt, sodass der Schöpfungszweck vollkommen verwirklicht wird.
Daraus folgt: Die ganze Arbeit und das ganze Gebet dienen dazu, dass der Mensch den Luxus empfangen kann, den der Schöpfer für ihn bereithält. Dies wird als Tora bezeichnet – als eine Gabe, die zum Luxus gehört. Deshalb bedeutet „wer sein Ohr abwendet“, dass er sich nicht darauf vorbereitet, die Tora zu hören; denn die Tora ist eine Gabe, die er vom König empfangen muss.
Dies ist die Bedeutung von „Wir werden tun, und wir werden hören“. „Wir werden tun“ allein genügt nicht; auch „wir werden hören“ ist erforderlich. Das heißt: Durch „wir werden tun“ soll der Mensch mit „wir werden hören“ belohnt werden, denn nur auf „wir werden hören“ war der Schöpfungszweck ausgerichtet. Wer daher sein Ohr vom Hören der Tora abwendet, für den wird der Schöpfungszweck zu etwas, das er nicht braucht. Deshalb wird dieser Zweck verabscheut, denn alles, was nicht gebraucht wird, wird verabscheut.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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Midrash Rabba, Haasinu. ↩