268. Der Mensch lernt nur dort, wo sein Herz ist
„Der Mensch lernt nur dort, wohin sein Herz verlangt.“1
Wir müssen verstehen, warum er gerade dort lernt, wohin sein Herz verlangt. Nach dieser Regel, dass der Mensch nur dort lernt, wo er es will, ist es unmöglich, jemanden ethisch zu unterweisen, der dies nicht will. Da niemand Worte ethischer Unterweisung hören will, wie kann man dann seinen Freund ethisch zurechtweisen?
Ebenso müssen wir verstehen, was unsere Weisen sagten: „Der Mensch sieht seine eigene Schuld nicht.“2 Wie kann der Mensch demnach seine Handlungen korrigieren? Er wird doch niemals sehen, dass seine Handlungen fehlerhaft sind und einer Korrektur bedürfen. Demnach müsste der Mensch immer in seinem verdorbenen Zustand bleiben.
Bekanntlich wurde der Mensch mit der Natur erschaffen, nur sich selbst Genuss bereiten zu wollen. Daher möchte er aus allem, was er lernt, einen Weg und eine Methode lernen, wie er Genuss empfangen kann. Wenn der Mensch genießen will, wird er deshalb von selbst nichts anderes lernen als das, wonach sein Herz verlangt, denn dies ist seine Natur.
Wer sich daher dem Schöpfer annähern und Dinge lernen möchte, die ihm Wege zeigen, wie er dem Schöpfer geben kann, muss zum Schöpfer beten, Er möge ihm ein anderes Herz geben, wie geschrieben steht: „Erschaffe mir ein reines Herz, Gott.“
Wenn er nämlich ein anderes Herz hat, in dem das Verlangen des Herzens ein Verlangen zu geben ist, wird er in allem, was er dann lernt, Wege erkennen, die ihm ausschließlich zeigen, wie er dem Schöpfer geben kann. Was jedoch seinem Herzen entgegensteht, wird er niemals sehen. Darüber heißt es: „Ich werde das Steinerne Herz aus eurem Inneren entfernen und euch ein Herz aus Fleisch geben.“
Ebenso ist der Mensch nicht fähig, seine eigene Schuld zu sehen, denn er lernt dort, wohin sein Herz verlangt. Da das Herz genießen will und der Mensch an seiner eigenen Schuld keinen Genuss findet, wird er seine eigene Schuld niemals sehen.
Es gibt keinen anderen Rat, als zum Schöpfer zu beten, Er möge ihm ein anderes Herz geben. Das bedeutet, der Mensch soll verstehen, dass es nichts Besseres gibt, als dem Schöpfer Zufriedenheit zu bereiten.
Dann wird er seine eigene Schuld sehen können. Dies ist gerade dann möglich, wenn er versteht, dass ihm aus dem Erkennen seiner Schuld ein Verdienst erwächst, weil er dadurch Raum für eine Korrektur erhält. Andernfalls wird er mit all seinen Mängeln zurückbleiben.
Daraus folgt, dass seine Schuld für ihn zu einem Verdienst wird. Dann wird es möglich sein, die Schuld aufzudecken. Wer dagegen nicht an Korrekturen arbeitet, wird niemals eine Schuld sehen.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026