281. Sei mit einem kleinen Gebot so achtsam wie mit einem großen – 1
„Sei bei einer leichten Mizwa ebenso achtsam wie bei einer schweren, denn du kennst den Lohn der Mizwot nicht.“
Während eines Abstiegs erscheinen ihm Tora und Mizwot unbedeutend, und er empfindet keinerlei Wichtigkeit oder Wert in ihnen. Dann fragt er sich, warum er sich mit Tora und Mizwot beschäftigen soll. Er arbeitet ja vergeblich, denn seine Arbeit hat für ihn keinen Wert, da er darin weder Geschmack noch Geruch empfindet. Welchen Sinn hat es also, jetzt seine Kräfte ohne Nutzen und umsonst einzusetzen?
Darüber sagten unsere Weisen, dass man bei der Erfüllung einer leichten Mizwa ebenso achtsam sein muss wie bei einer schweren Mizwa – als befände man sich jetzt in einer Zeit, in der Tora und Mizwot für einen ihr volles Gewicht haben, also ihre ganze Wichtigkeit. Dann könnte man seine Kräfte einsetzen, weil man ihren Wert zu schätzen wüsste.
Dazu sagten sie: „Du kennst den Lohn der Mizwot nicht.“ Das bedeutet: Der Mensch weiß nicht, ob er den Lohn der Mizwot gerade dann erhält, wenn er sich mit Tora und Mizwot beschäftigt, die für ihn wichtig sind, oder auch dann, wenn sie für ihn keine Bedeutung haben und er sich dennoch überwindet und sie erfüllt.
Möglicherweise liegt in dieser Überwindung während des Abstiegs ein größerer Nutzen als in einer Zeit des Aufstiegs. Denn der Mensch kann nicht wissen, welcher Zustand oben mehr Wohlgefallen bereitet.
Deshalb sagten sie: „Sei bei einer leichten Mizwa achtsam“ – im Sinne von „leicht und verächtlich“. „Schwerwiegend“ dagegen bedeutet, dass er das bedeutsame Gewicht von Tora und Mizwot empfindet. Gerade dann kann er über dem Verstand arbeiten. Denn der Verstand während des Abstiegs verlangt immer das Gegenteil der Wahrheit. Man muss also sagen: Der Mensch kann aus dem Zustand der Niedrigkeit mehr gewinnen, wenn er sich dann überwindet.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026