274. Gerade durch einen Mann und eine Frau
Gerade durch Mann und Frau wird ein Kind geboren. Vom Männlichen allein oder vom Weiblichen allein kann dagegen kein Nachwuchs hervorgehen. Im Sinne der ethischen Lehre wird das Männliche als die Kraft des Gebens und das Weibliche als die Kraft des Empfangens bezeichnet. Mit Nachkommen sind gute Taten gemeint, in denen der Geist des Lebens sein wird.
Wenn ein Mensch nur die Kraft des Gebens hat, fehlt ihm daher die Anstrengung. Es gilt die Regel: „Der Lohn richtet sich nach dem Leid.“ Da er nur die Kraft des Gebens hat, fehlt ihm folglich die Anstrengung. Ohne Anstrengung ist es jedoch unmöglich, des Lichtes des Schöpfers würdig zu werden, wie unsere Weisen sagten: „Wenn du dich nicht bemüht und nicht gefunden hast, glaube es nicht.“1
Wenn er aber nur die Kraft des Empfangens und keine Funken des Gebens hat, kann er keine Wahl mehr treffen, durch die er das Böse verwerfen und das Gute wählen könnte. Denn dann fehlt ihm die Kraft, die Waagschale zur Seite des Verdienstes neigen zu lassen.
Nur wenn beide Kräfte gleich stark sind – die Kraft des Empfangens und die Kraft des Gebens –, hat er daher Raum für Arbeit und Anstrengung. Dann kann er sich durch die Anstrengung überwinden und die Waagschale zur Seite des Verdienstes neigen lassen. Die Tat, die die Waagschale zur Seite des Verdienstes geneigt hat, wird dann als Kind bezeichnet. Das bedeutet: Der Schöpfer gibt dieser Tat den Geist des Lebens. Dies wird mit den Worten bezeichnet: „An jedem Ort, an dem Ich Meinen Namen erwähnen werde, werde Ich zu dir kommen und dich segnen.“
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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Megilla 6b. ↩