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Kabbala Bibliothek Startseite / Rabash / Aufzeichnungen / 249. Ich werde sündigen und umkehren

249. Ich werde sündigen und umkehren

„Wer sagt: ‚Ich werde sündigen und umkehren‘, dem gibt man keine Gelegenheit, Umkehr (Teshuwa) zu vollziehen.“1 Es stellt sich die Frage: Warum?

Über den Messias heißt es in der Schrift: „Und er wird durch die Ehrfurcht vor dem Ewigen riechen.“ Man muss verstehen, warum die Ehrfurcht vor dem Schöpfer gerade mit Ruach (Geist und Atem) verglichen wird.

Wir sehen, dass der Mensch ständig Luft atmen muss; sonst verliert er sein Leben. Diese Luft muss ein- und ausgehen: Nachdem er sie in seinen Körper eingeatmet hat, muss er sie wieder ausatmen und sofort neue Luft einziehen. Die zuvor eingeatmete Luft hilft ihm nur für den Augenblick. Will er weiterleben, muss er sofort neue Luft einatmen.

So ist es auch mit der spirituellen Luft, die „Himmelsfurcht“ heißt. Der Mensch muss die Himmelsfurcht jedes Mal neu auf sich nehmen. Das Joch des Königtums des Himmels, das er zuvor auf sich genommen hat, reicht nur für den jeweiligen Augenblick.

Wenn er seine spirituelle Existenz, die „Glaube“ heißt, fortsetzen will, muss er das Joch des Königtums des Himmels erneut auf sich nehmen. Auch das reicht nur für diesen Augenblick, und unmittelbar danach muss er es wieder neu auf sich nehmen.

Er darf nicht warten, bis das Maß des Glaubens, das er auf sich genommen hat, aus ihm verschwunden ist. Vielmehr muss er den Glauben immer wieder auf sich ziehen. Solange der Glaube noch auf ihm ruht, muss er die Himmelsfurcht erneuern und auf sich ziehen. Genauso ist es beim Atmen körperlicher Luft: Der Mensch wartet nicht, bis die gesamte Luft aus seinem Körper entwichen ist, bevor er neue Luft einatmet. Vielmehr erneuert er fortwährend seinen Atem, das heißt, er tauscht die Luft aus, während die vorherige noch ihre volle Kraft besitzt.

Ebenso muss er auch die spirituelle Luft, die er hat, austauschen. Obwohl er spürt, dass er sich mit dem vorhandenen Glauben noch halten kann, muss er ihn erneut auf sich nehmen. Tut er das nicht, verliert er schließlich sein Leben – genauso wie der Mensch sein körperliches Leben verliert und stirbt, wenn er keine neue Luft einatmet. Das ist die Bedeutung von: „Und er wird durch die Ehrfurcht vor dem Ewigen riechen.“

So ist es auch in der Spiritualität: Wenn er den Glauben nicht erneut auf sich nimmt, wird er zu einem Toten. Auch wenn er nicht spürt, dass er tot ist, gleicht er einem Menschen, der nach seinem Tod nichts davon empfindet. Erst wenn er wieder zum Leben erwacht, weiß er, dass er zuvor tot war.

Auch in der Spiritualität gilt der Mensch als tot, wenn er den Glauben nicht erneuert; nur spürt er es dort nicht. Nimmt er das Joch des Glaubens wieder auf sich, gilt er als zum Leben erwacht. Das ist die Wiederbelebung der Toten, ein neuer Lebenskreislauf, obwohl die Kraft des Körpers noch nicht annulliert und verschwunden ist.

Wenn der Mensch also imstande ist, auch nur für einen Augenblick auf das Joch des Glaubens zu verzichten, ist das so, als wäre er bereit, für einen Augenblick auf sein körperliches Leben zu verzichten. So wie er auf dieses nicht verzichten kann, kann er auch auf das spirituelle Leben nicht verzichten. Daraus folgt: Wer gesündigt hat, ist tot. Wenn er umkehrt, ist er ein völlig anderer Mensch – nicht mehr derselbe, sondern eine neue Schöpfung.

Das ist die Bedeutung von: „Wer sagt: ‚Ich werde sündigen und umkehren‘.“ Wenn er sündigt, gilt er als tot. Deshalb heißt es: „Dem gibt man keine Gelegenheit, Umkehr zu vollziehen“, denn er stirbt auf der Stelle. Wer aber umkehrt, gilt bereits als neuer Körper, das heißt als neuer Lebenskreislauf.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Yoma 87a. ↩