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235. Formen des Lichts

Das Licht, das sich in die Seele kleidet, hat nicht dieselbe Form wie vor seiner Einkleidung in die Seele. Das Licht wird als einfach bezeichnet, also als eine einzige Eigenschaft. Kleidet es sich dagegen in das Verlangen zu empfangen, das Seele genannt wird, ist es bereits zusammengesetzt: Es umfasst zugleich zwei Eigenschaften, die des Gebenden und die des Empfangenden.

Obwohl sich das Licht nicht verändert, wird dies aus der Sicht des Empfangenden dennoch als eine andere Form bezeichnet, weil dort bereits die beiden genannten Eigenschaften enthalten sind.

Ein Beispiel: Wenn ein Mensch Fleisch isst, schmeckt er dessen Geschmack, sobald es seinen Gaumen berührt. Obwohl der Geschmack, den er im Fleisch wahrnimmt, für ihn eine konkrete Form hat, weil er diesen Geschmack durch das Fleisch empfängt, bedeutet das nicht, dass derselbe Geschmack auch dem Fleisch an sich innewohnt.

Vielmehr bringt diese Verbindung, bei der der Gaumen das Fleisch berührt, ein solches Ergebnis hervor. Es entsteht aus dem Licht, also dem Fleisch, und aus dem Gefäß (Kli), also aus dem Verlangen, mit dem der Mensch das Fleisch genießen will.

Daraus können wir verstehen, dass zwischen dem Licht an sich und dem Licht, das sich in das Gefäß kleidet, keinerlei Verbindung besteht. Über das Licht heißt es: „Kein Gedanke erfasst es.“ Dennoch kleidet sich dasselbe Licht in das Gefäß.

Ein Blinder fragte Rabbi Meir: „Ist es möglich, dass Derjenige, von Dem geschrieben steht: ‚Erfülle Ich nicht Himmel und Erde?‘, mit Moses zwischen den beiden Stangen der Lade sprach?“

Er sagte zu ihm: „Bring mir große Spiegel.“ Dann sagte er: „Sieh dein Spiegelbild darin an.“ Er sah es groß. „Bring mir kleine Spiegel.“ Dann sagte er: „Sieh dein Spiegelbild darin an.“ Er sah es klein.

Er sagte zu ihm: „Wenn schon du, ein Mensch aus Fleisch und Blut, dich selbst nach Belieben verändern kannst, um wie viel mehr gilt dies für Denjenigen, Der sprach und die Welt entstand. Wenn Er will, heißt es: ‚Erfülle Ich nicht Himmel und Erde?‘, und wenn Er will, spricht Er mit Moses zwischen den beiden Stangen der Lade.“1

Aus all dem folgt, dass jede Veränderung von den Gefäßen abhängt. Das zeigt das Beispiel des Menschen, der in den Gefäßen, also in den Spiegeln, jeweils eine andere Form annimmt, während sich der Mensch selbst nicht verändert.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Bereshit Rabba, Abschnitt 4. ↩