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Kabbala Bibliothek Startseite / Rabash / Aufzeichnungen / 238. Die Freude des Bräutigams und der Braut

238. Die Freude des Bräutigams und der Braut

Wir haben uns hier versammelt, um an der Freude des Bräutigams teilzunehmen und sie zu genießen. Der Mensch ist verpflichtet, den Bräutigam zu erfreuen, wie unsere Weisen sagten: „Wer das Hochzeitsmahl eines Bräutigams genießt und ihn nicht erfreut ….“1

In den Sieben Segenssprüchen sagen wir: „Der den Bräutigam mit der Braut erfreut.“2 Wenn der Schöpfer den Bräutigam und die Braut erfreut, dann sind auch wir verpflichtet, an der Freude teilzunehmen und den Bräutigam und die Braut zu erfreuen. Unsere Weisen sagten: „Wer das Hochzeitsmahl eines Bräutigams genießt und ihn nicht erfreut.“382 Damit legten sie fest, dass man den Bräutigam erfreuen muss. Bei der Braut dagegen sehen wir: „Wie tanzt man vor der Braut? Eine schöne und anmutige Braut.“3

Wir müssen verstehen, weshalb gerade der Tanz zur Braut gehört. Und überhaupt müssen wir verstehen, was ein Tanz ist. Wir sehen, dass es beim Tanz Auf- und Abstiege sowie Drehungen in alle vier Himmelsrichtungen gibt; am Ende aber bleibt man auf der Erde stehen.

Der Bräutigam weist auf den Schöpfer hin, wie geschrieben steht: „Am Tag seiner Hochzeit und am Tag der Freude seines Herzens“4, und ebenso: „Der Ewige stieg auf den Berg herab.“5 Dies bezeichnet das Herabsteigen auf eine Stufe.

Die Braut wird Versammlung Israels (Knesset Israel) genannt. Bei der Hochzeit, die auf die höhere Wurzel hinweist, muss man wissen: Auch wenn alle vier Winde der Welt das gesamte Israel wegdrängen wollen, wird es selbst nach all den Abstiegen an seinem Platz bleiben.

Deshalb sagt man: „Eine schöne und anmutige Braut.“ Das bedeutet, dass sie sich in einem Zustand der Schönheit befindet und es keinen Zustand der Niedrigkeit gibt. Man sagt nicht, wie geschrieben steht, dass sie sich jetzt im Exil befindet, sondern weckt die Freude, die am Ende der Korrektur (Gmar Tikun) herrschen wird.

Die Freude am Tanz gleicht einer traurigen Melodie, an der die Menschen Gefallen finden. Die Melodie stellt eine Ansammlung von Leiden dar, deren Zeit bereits vorüber ist; jetzt aber genießen wir schon den Gewinn, den wir aus diesen Leiden gezogen haben. Ebenso liegt die Freude am Tanz darin, dass man nach allen Auf- und Abstiegen dennoch fest an seinem Platz stehen geblieben ist.

⁂

Wir haben uns hier versammelt, um den Bräutigam und die Braut zu erfreuen, wie es in den Sieben Segenssprüchen heißt: „Gesegnet bist Du, Schöpfer, der den Bräutigam und die Braut erfreut.“6 Wenn wir beim Schöpfer sehen, dass Er den Bräutigam und die Braut erfreut, dann sind auch wir verpflichtet, an dieser Freude teilzunehmen.

Beim Bräutigam finden wir: „Wer das Hochzeitsmahl eines Bräutigams genießt und ihn nicht erfreut.“7 Das bedeutet, dass man den Bräutigam erfreuen muss; womit, wurde jedoch nicht gesagt. Bei der Braut dagegen finden wir: „Die Rabbinen lehrten: Wie tanzt man vor der Braut?“ Außerdem soll man nach der Schule Hillels sagen: „Eine schöne und anmutige Braut“, und nicht: „Eine Braut, wie sie ist.“8

Der Bräutigam wird Schöpfer genannt, nach dem Ausdruck „eine Stufe herabsteigen“, wie geschrieben steht: „Der Ewige stieg auf den Berg herab.“9 Die Braut wird „das gesamte Israel“ genannt. Seitens des Schöpfers gibt es keinerlei Veränderung, wie geschrieben steht: „Ich, der Ewige, habe Mich nicht verändert.“10 Alle Veränderungen kommen nur von den Empfangenden. Daher weist die Braut auf die Empfangenden hin, also auf das gesamte Israel. Bei ihnen gibt es Auf- und Abstiege, das heißt eine Zeit des Exils und eine Zeit der Erlösung.

Wir müssen sagen, dass die Vorsehung des Schöpfers gut ist und Gutes tut: „Alles, was der Barmherzige tut, tut Er zum Guten“11, und: „Auch dies ist zum Guten.“12 Wenn es also beim Tanz Veränderungen gibt, muss man sagen: „Eine schöne und anmutige Braut.“ Dies gilt gewiss im Hinblick auf ihr Ende: Indem wir die materielle Mizwa ausführen, wecken wir oben ihre Wurzel – die Vereinigung am Ende der Korrektur. Darüber soll man sich freuen.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Talmud, Traktat Berachot 6b. ↩

  2. Sieben Segenssprüche (Sheva Brachot), siebter Segensspruch. ↩

  3. Talmud, Traktat Ketubot 16b–17a. ↩

  4. Hohelied 3:11. ↩

  5. 2. Mose 19:20. ↩

  6. Sieben Segenssprüche (Sheva Brachot), siebter Segensspruch. ↩

  7. Talmud, Traktat Berachot 6b. ↩

  8. Talmud, Traktat Ketubot 16b–17a; Diskussion der Schulen Shammais und Hillels. ↩

  9. 2. Mose 19:20. ↩

  10. Maleachi 3:6. ↩

  11. Talmud, Traktat Berachot 60b. ↩

  12. Talmud, Traktat Taanit 21a. ↩