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239. Der Zustand der Witwenschaft

„Mein Zorn wird entbrennen, und Ich werde euch mit dem Schwert töten; eure Frauen werden Witwen und eure Kinder Waisen sein.“1

„Rabbi Elasar sagte: Aus dem, was gesagt wurde: ‚Mein Zorn wird entbrennen, und Ich werde euch töten‘, weiß ich, dass ihre Frauen Witwen und ihre Kinder Waisen sein werden. Was lehrt uns dann der Zusatz: ‚Eure Frauen werden …‘? Er lehrt, dass ihre Frauen heiraten wollen, man es ihnen aber nicht erlaubt, und dass ihre Kinder das Vermögen ihrer Väter übernehmen wollen, man es ihnen aber nicht erlaubt.“2

Rashi erklärt, dass sie in Gefangenschaft geraten werden. Demnach treffen sie zwei Flüche: 1) das Schwert und 2) die Gefangenschaft. Weil sie in Gefangenschaft geraten, wird nicht bekannt sein, ob ihre Ehemänner noch leben und ob die Kinder das Vermögen ihrer Väter übernehmen dürfen.3

Im Sinne der ethischen Lehre ist dies so zu verstehen: Wenn der Mensch vom Weg des Schöpfers abweicht, gerät er in die Gefangenschaft der Klipot (Schalen). Sie herrschen über ihn und lassen ihn nicht aus ihrer Gewalt entkommen. Dann kann der Mensch sich nicht mit Tora und Mizwot beschäftigen, weil die Klipot über ihn herrschen.

Wenn der Mensch auf dem Weg der Wahrheit geht, also auf der Grundlage des Glaubens, der als „Eine tüchtige Frau – wer findet sie?“4 bezeichnet wird, versorgt er die Shechina (göttliche Gegenwart). Unsere Weisen sagten: „Israel versorgt seinen Vater im Himmel.“5 Die Beschäftigung mit Tora und Mizwot für den Schöpfer wird als „Versorgung des Schöpfers“ bezeichnet. Darin liegt die Bedeutung von „Meine Opfergabe, Mein Brot“.6

Dann erlangt der Mensch in Tora und Mizwot Verständnis und Verstand der Heiligkeit (Kedusha), wie geschrieben steht: „Du schenkst dem Menschen Verstand und lehrst den Sterblichen Verständnis.“7

Wenn daher die beiden in der richtigen Ordnung sind, hat der Mensch „eine Frau und Kinder“. Wenn der Mensch hingegen den Glauben schädigt, wird der „Mensch“ getötet, und es bleibt nur die Stufe des Tieres. Das heißt, er kennt nichts anderes mehr, als tierische Begierden zu erlangen.

Daraus folgt, dass die „Frau“ eine Witwe ist, denn die Stufe des Menschen, der ihr Ehemann ist und ihr den Glauben gibt, wurde getötet. Doch den Frauen wird nicht erlaubt zu heiraten, denn er befindet sich in der Gefangenschaft der Klipot, und deshalb ist nicht bekannt, ob er getötet wurde.

Selbst wenn also „die Frauen heiraten wollen“8, wird es ihnen nicht erlaubt. Das heißt, die heilige Shechina will sich wieder mit jedem Einzelnen verbinden und jedem Einzelnen einen Gedanken der Umkehr (Teshuwa) geben. Darin liegt die Bedeutung von „sie wollen heiraten“, doch man erlaubt es ihnen nicht. Der Mensch selbst will sich nämlich nicht wieder mit der Heiligkeit verbinden, weil er sich in der Gefangenschaft unter der Herrschaft der Klipot befindet.

Wäre er hingegen nicht in Gefangenschaft geraten, sondern mit Gewissheit getötet worden – gemäß dem Ausspruch: „Die Bösen werden schon zu Lebzeiten Tote genannt“9 –, dann könnte er sich schließlich Rechenschaft darüber ablegen, was sein Ziel sein wird.

Dann hört er einen Gedanken der Umkehr von der heiligen Shechina. Darin liegt das Geheimnis des Rufes und des Erwachens, die von oben zum Menschen kommen. Dies wird als „Die Frauen wollen heiraten“401 bezeichnet, doch der Mensch will nicht.

Selbst wenn er das Erwachen empfängt und dabei Genuss empfindet, erwacht er dadurch nicht zum Glauben. Vielmehr empfängt er den Genuss, der zusammen mit dem Erwachen kommt. Doch er nimmt das Erwachen nicht an, damit es seine Handlungen korrigiert, das heißt, damit er sich bemüht, dass seine Handlungen für den Schöpfer sind.

Aus demselben Grund können auch die Kinder das Vermögen ihrer Väter nicht übernehmen. Denn Verständnis und Verstand ruhen nur dann auf den Handlungen, wenn diese für den Schöpfer sind; dann sind in ihnen die Geheimnisse der Tora enthalten. Anders ist es, wenn sie nicht eintreten, das heißt, wenn er die Tora nicht liShma (um des Gebens willen) studiert.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. 2. Mose 22:23 nach der Verszählung der Hebräischen Bibel; in manchen christlichen Ausgaben 2. Mose 22:24. ↩

  2. Talmud, Traktat Baba Mezia 38b. ↩

  3. Rashi zu 2. Mose 22:23; vgl. Talmud, Traktat Baba Mezia 38b. ↩

  4. Sprüche 31:10. ↩

  5. Ausspruch der Weisen; im hebräischen Original ohne nähere Quellenangabe. ↩

  6. 4. Mose 28:2. ↩

  7. Aus dem Achtzehnbittengebet (Amida), vierter Segensspruch. ↩

  8. Talmud, Traktat Baba Mezia 38b. ↩

  9. Talmud, Traktat Berachot 18b. ↩