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218. Israel sind Königssöhne

Israel wird als Königssöhne bezeichnet, denn jeder, der Seinen Namen über sich zum König macht, heißt Sohn eines Königs. So steht geschrieben: „Heiligt euch und seid heilig, denn Ich, der Ewige, bin heilig.“1 Jeder, der sich heiligt, heißt heilig, weil der Schöpfer heilig genannt wird.

Man muss verstehen, was „heilig“ bedeutet. Im Jerusalemer Talmud heißt es: „Jeder, der sich von verbotenen sexuellen Beziehungen fernhält, wird heilig genannt.“2 Und im Midrash Rabba zu Wajikra steht: „Überall, wo du eine Abgrenzung gegen verbotene sexuelle Beziehungen findest, findest du Heiligkeit (Kedusha).“3 Denn heilig bedeutet abgesondert. Das heißt, der Mensch muss sich vom Genuss fernhalten.

Was bedeutet die Bezeichnung „heilig“ beim Schöpfer? Von einem Empfangen für Sich selbst kann bei Ihm keine Rede sein, denn der Schöpfer gibt nur. Deshalb muss auch der Mensch nur dem Schöpfer geben. Das bedeuten die Worte: „Heiligt euch und seid heilig“333 – ihr sollt nur geben – „denn Ich, der Ewige, bin heilig“333, weil der Schöpfer der Gebende ist. Darin besteht die Anhaftung (Dwekut).

Das ist die Bedeutung von „Überall, wo du eine Abgrenzung gegen verbotene sexuelle Beziehungen findest“.335 Denn verbotene sexuelle Beziehungen bezeichnen einen Bereich, in dem man nicht genießen darf; nur dort, wo eine Mizwa besteht, darf man genießen.

Denn „Gott hat eines dem anderen gegenüber erschaffen“.4 Der heiligen Shechina (göttlichen Gegenwart) steht eine „fremde Frau“ gegenüber, die Klipa (Schale) genannt wird. Die heilige Shechina wird als Glaube über dem Verstand bezeichnet, und das bedeutet Geben.

Wenn der Mensch Handlungen mit der Absicht ausführt, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, gilt dies als Vereinigung mit der heiligen Shechina. Führt er dagegen Handlungen aus, um selbst zu genießen, vereint er sich mit der fremden Frau, deren Absicht nur darin besteht, für sich selbst zu empfangen.

Die Vereinigung des Schöpfers mit Seiner Shechina bedeutet: So wie der Schöpfer nur gibt, so wird auch die heilige Shechina, die Malchut ist, auf das Geben ausgerichtet. Von ihr gehen alle Verlangen nach unten zu den Unteren aus, und diese richten jene Verlangen auf das Geben aus. Dadurch bewirken sie, dass an der Wurzel aller Verlangen nur die Ausrichtung auf das Geben besteht. Das wird Vereinigung genannt: Zwei Eigenschaften werden zu einer vereint.

Das ist die Bedeutung von „Mann und Frau – sind sie dessen würdig, ist die Shechina zwischen ihnen“.5 Die Eigenschaft „Frau“ ist das Gegenteil der Eigenschaft des Gebenden. „Die Shechina ist zwischen ihnen“ bedeutet: Dann ist erkennbar, dass Shochen (der Wohnende) am Ort dieser Verlangen wohnt. Die Verlangen werden dann Shechina genannt, weil Shochen, der heilig genannt wird, Sich dort mit ihnen vereinen kann. Dort besteht nämlich Gleichheit der Form, die Anhaftung genannt wird.

Deshalb findest du überall dort Heiligkeit, wo der Mensch sich vom Genuss für sich selbst fernhält und eine Vereinigung bewirkt. Denn das obere Licht kann dort wohnen, weil die Gefäße (Kelim) das Licht des Schöpfers empfangen können, das Heiligkeit genannt wird. Heiligkeit wohnt nur an einem Ort der Reinheit. Reinheit bedeutet Reinheit der Eigenschaften, und dann wohnt die Heiligkeit an einem Ort der Reinheit.

Manchmal jedoch gilt: „Ich bin der Ewige, der bei ihnen inmitten ihrer Unreinheit wohnt.“6 Das heißt: Selbst wenn die Gefäße noch nicht auf Gleichheit der Form vorbereitet sind, muss dem Menschen von oben geholfen werden, damit er diesen Zustand erreicht. Denn darin liegt die Bedeutung von lo liShma (nicht um des Gebens willen): Das Licht darin führt ihn zum Guten zurück.7 Dieses Licht wird „der Ewige, der bei ihnen inmitten ihrer Unreinheit wohnt“338 genannt.

Das gilt gerade dann, wenn der Mensch zu liShma (um des Gebens willen) gelangen will, seinen Körper aber nicht überwinden kann. Deshalb gibt man ihm dieses Licht, damit er das Verlangen zu empfangen überwinden und den Weg des Schöpfers gehen kann – den Weg des Gebens.

Daraus verstehen wir den Vers: „Und nun, wenn ihr auf Meine Stimme hört und Meinen Bund bewahrt, werdet ihr Mir unter allen Völkern ein besonderes Eigentum sein, und ihr werdet Mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein.“8 Dies sind die Worte, die der Schöpfer zu den Kindern Israels spricht. „Dies sind die Worte“ – nicht weniger und nicht mehr. Wie oben erläutert, ist mehr als das nicht nötig.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. 3. Mose 11:44. ↩

  2. Jerusalemer Talmud, Traktat Yewamot, Kapitel 2. ↩

  3. Midrash Rabba, Wajikra. ↩

  4. Prediger 7:14. ↩

  5. Babylonischer Talmud, Traktat Sota, Blatt 17a. ↩

  6. 3. Mose 16:16. ↩

  7. Eicha Rabba, Einleitung, Abschnitt 2. ↩

  8. 2. Mose 19:5–6. ↩