200. Der Mensch empfängt Genuss aus drei Gefäßen
Der Mensch empfängt Genuss aus drei Gefäßen (Kelim), die Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit heißen.
Der größte Genuss kommt aus der Zukunft. Zum Beispiel denkt der Mensch, dass man ihn zu einer Hochzeit oder einem wichtigen Festmahl einladen wird. Obwohl in seiner Stadt viele Menschen leben, wurden zu diesem Festmahl nur wenige bedeutende Personen eingeladen, und er gehört zu ihnen.
1) Das Festmahl und die Hochzeit finden erst nach einer gewissen Zeit statt, doch er genießt bereits die Zukunft. Darüber wurde gesagt: „Gedanken an eine Übertretung sind schwerwiegender als die Übertretung selbst“1, weil er viel Zeit hat, die Zukunft zu genießen.
2) Die Gegenwart: Wenn er beim Festmahl ist und sieht, dass nur bedeutende Personen anwesend sind, genießt er.
3) Wenn er sich einige Zeit später daran erinnert, wie man ihn beim Festmahl geehrt hat, erfüllt ihn das ebenfalls mit Genuss.
Der Mensch muss sich vorstellen, dass ein Treffen der Freunde bevorsteht. Er muss Handlungen vollziehen und Gedanken entwickeln, um diesem Treffen Bedeutung beizumessen.
In dem Maß, in dem er Vorbereitungen trifft, um dem Treffen Bedeutung beizumessen, kann er später die Gegenwart genießen, also die Zeit des Treffens. Und in dem Maß, in dem er die Gegenwart genießt, kann er später die Vergangenheit genießen. Denn solange er sich an den Genuss erinnert, den er bei dem Treffen hatte, empfindet er ihn jetzt.
Daraus folgt, dass eines vom anderen abhängt: Die Zukunft hängt von der Bedeutung des Umgebenden (Makif) ab, denn als umgebend gilt, was erst noch kommen wird; in der Gegenwart heißt es Inneres (Pnimi). Die Vergangenheit heißt Reshimot (Erinnerungseindrücke). Das bedeutet: Je nachdem, wie groß der Genuss war, den er empfand, bleiben ihm Reshimot. Dies nennt man, dass Reshimot zurückbleiben, um die Gefäße zu beleben. Das heißt: Je nachdem, welche Reshimot ihm von dem Genuss geblieben sind, beleben diese Reshimot den Menschen.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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Talmud, Traktat Yoma 29a. ↩