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219. Suche Frieden und jage ihm nach

Zum Vers: „Meide das Böse und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach.“1

In der Welt gibt es zwei Kräfte, die dem Menschen den Antrieb geben und ihn dazu zwingen, seine Kraft der Ruhe zu annullieren. Das bedeutet: Die Kraft der Ruhe, die in den Eigenschaften der Seele liegt, unterwirft sich zwei anderen Kräften. Sie annulliert sich also gegenüber der Mehrheit, und dadurch nimmt die Seele die Kraft der Bewegung auf sich:

1) die abstoßende Kraft,

2) die anziehende Kraft.

Die abstoßende Kraft bedeutet: Vor etwas Schlechtem und Abscheulichem muss der Mensch fliehen. Die anziehende Kraft bedeutet: Guten und angenehmen Dingen muss der Mensch nachjagen. Eine einzige Kraft jedoch, sei es die anziehende oder die abstoßende, kann die Kraft der Ruhe noch nicht annullieren.

„Meide das Böse“ heißt abstoßende Kraft, wenn der Mensch empfindet, dass etwas böse ist. „Tue Gutes“ heißt anziehende Kraft, wenn der Mensch empfindet, dass etwas gut ist; dann muss er ihm nachjagen und es erreichen.

„Suche Frieden und jage ihm nach.“ Es stellt sich die Frage: Was ist dieser Krieg, in dem der Mensch sich bemühen muss, Frieden zu schließen? Und außerdem muss er diesem Frieden nachjagen.

Krieg bedeutet den Kampf des Lebens, in dem jeder mit dem anderen kämpft und dadurch das erlangt, was er begehrt.

So kämpft etwa der Händler mit dem Käufer und will ihn besiegen, um das zu bekommen, was er begehrt: Geld ohne Ware oder Geld für die schlechteste Ware. Umgekehrt kämpft auch der Käufer mit dem Händler: Er will für weniger Geld die beste Ware bekommen.

Der Arbeiter kämpft mit dem Arbeitgeber: Der Arbeitgeber will mehr Ertrag und mehr Arbeitsstunden bei geringerem Lohn. Der Arbeiter will umgekehrt mehr Lohn und mehr Ruhe. Hinsichtlich der Arbeitszeit und der Qualität des Ertrags ist daher zu verstehen, wer diesen ganzen Krieg verursacht.

Vor allem aber müssen wir verstehen, was der Mensch ist. Woran wird gemessen, ob ein Mensch groß oder klein ist? Man sagt etwa, ein Mensch habe ein weites Herz, eine großzügige Hand oder ein neidisches Auge. Das heißt, man kann nicht sagen, dass Fleisch und Knochen als Mensch bezeichnet werden. Was also ist der Mensch?

Beim Verlangen sind drei Arten zu unterscheiden: ein großes, ein kleines und ein unbedeutendes Verlangen. Die Größe des Verlangens bemisst sich nach den Leiden. Ein großes Verlangen bedeutet: Wenn der Mensch nicht bekommt, was er begehrt, leidet er stark. Bei einem kleinen Verlangen leidet er nur wenig, wenn er nicht bekommt, was er begehrt. Ein unbedeutendes Verlangen bedeutet: Auch wenn er nicht bekommt, was er begehrt, leidet er nicht.

Woher stammt und entfaltet sich das Verlangen zu empfangen? Aus dem Schöpfungsgedanken, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.

Wir glauben an die Worte: „Die ganze Erde ist erfüllt von Seiner Herrlichkeit“2, „Denn es ist kein leeres Wort für euch, sondern es ist euer Leben und die Länge eurer Tage“3 und „Denn sie sind unser Leben und die Länge unserer Tage“.4 All dies sagte Moses, unser Lehrer, und es sagten die großen Weisen Israels, die die Gebete ordneten.

Was aber sagen und empfinden wir? Dass wir Lebenskraft (Chajut) und Genüsse aus anderen Dingen empfangen sollen. Und die Tora enthält uns viele Genüsse vor, die wir erlangen könnten, wenn die Tora sie uns erlauben würde.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Psalm 34:15. ↩

  2. Jesaja 6:3. ↩

  3. 5. Mose 32:47. ↩

  4. Jüdische Liturgie, Abendgebet Ahavat Olam. ↩