<- Kabbala Bibliothek
Weiterlesen ->
Kabbala Bibliothek
Kabbala Bibliothek Startseite / Rabash / Aufzeichnungen / 226. Die Lade trägt ihre Träger

226. Die Lade trägt ihre Träger

Die Tafeln des Bundes lagen in der Lade. Die Tafeln werden als Tora bezeichnet, und diese ist in die Lade gekleidet, also in den Glauben.

Der Glaube ist eine große und schwere Aufgabe, die wir nicht aus eigener Kraft auf uns nehmen können. Der Mensch muss jedoch wissen: „Die Lade trägt ihre Träger.“1 Was der Mensch tun kann, besteht nur darin, die Gottesfurcht (Jirat HaShem) zu erkennen – zu erkennen, wie sehr es außerhalb der menschlichen Kräfte liegt, diese Aufgabe zu tragen.

Darauf bezieht sich der Ausspruch: „Wenn der Schöpfer ihm nicht helfen würde, könnte er ihn nicht überwinden2“, gegenüber der Frage „Mi“ (Wer?) und „Ma“ (Was?) Das bedeutet: Der Mensch muss um das Maß der Ehrfurcht bitten und danach streben, sie in ihrer wahren, reinen und lauteren Form zu sehen. So steht geschrieben: „Wenn du sie wie Silber suchst und ihr wie verborgenen Schätzen nachspürst, dann wirst du die Furcht des Ewigen verstehen.“3 Bevor man danach sucht, ihre Form zu sehen, kann man nicht verstehen, was Gottesfurcht bedeutet.

Wenn er dann die Schwierigkeiten und den Widerstand des Körpers dagegen sieht und deutlich erkennt, dass der Mensch sie nicht annehmen kann, ist dies der Ort für das Gebet, dass der Schöpfer hilft, wie es heißt: „Wenn der Schöpfer ihm nicht helfen würde …352“

Dann erfüllt sich: „Und du wirst die Erkenntnis Gottes finden4“, denn erst dann ist die Zeit gekommen, des Verstandes der Heiligkeit (Kedusha) würdig zu werden. Deshalb wird dies als Fund bezeichnet: Der Mensch hat bereits gesehen, dass es auf der Welt keine Möglichkeit gibt, aus eigener Kraft das Joch des Glaubens auf sich zu nehmen. Nach all seinem Suchen hat er also nur das Negative gefunden – wie fern ihm diese Eigenschaft ist. Erst dann wird er der Offenbarung Seines Namens würdig.

Dies geschieht also nicht in einer Abfolge von Ursache und Wirkung, deren Ordnung lautet: Heute weiß ich wenig und morgen mehr, bis ihm die ganze Sache vollständig bekannt ist.

Hier ist es umgekehrt: Heute weiß ich wenig, und wenn ich morgen nicht auf dem Weg der Reinheit suche, finde ich in mir immer weniger; am nächsten Tag noch weniger, bis ich den Nullpunkt erreiche.

Erst dann ist der Mensch fähig, den Glauben in Vollkommenheit auf sich zu nehmen. Dies ist also nur ein Fund, der unverhofft kommt. Deshalb steht geschrieben: „Und du wirst die Erkenntnis Gottes finden.“354

Darin liegt die Bedeutung der Lade, also des Glaubens, der seine Träger trägt5: Der Glaube gibt den Trägern Kraft, die die schwere Aufgabe auf sich genommen haben. Sie gelangen in einen Zustand, in dem sie meinen, das Joch des Glaubens nicht tragen zu können, und denken, sie würden den Glauben tragen. Sie sehen also nicht, wie menschliche Kräfte die Lade auf den Schultern des Glaubens tragen könnten. Dieses Joch wird „Lade“ genannt, von der es heißt: „Auf der Schulter sollen sie sie tragen.“6

Man muss jedoch wissen, dass der Glaube dem Menschen Kraft gibt, also Lebenskraft (Chajut). Das entspricht dem Ausspruch: „Das Lebendige trägt sich selbst.“7 Nach menschlichem Verstand kann man nämlich keine Stufe erreichen, auf der man von jedem Aspekt des Verlangens zu empfangen frei ist, sei es in Mocha (Gehirn) oder im Herzen. Doch der Glaube gibt Kraft nach dem Prinzip „Das Lebendige trägt sich selbst“: Er trägt den Menschen, wie es heißt: „Die Lade trägt ihre Träger.“8

Wenn er dessen würdig geworden ist und diese Wirklichkeit bereits besitzt, gilt sie ihm als Fund, denn er hatte gedacht, er werde immer in einem Zustand zwischen Himmel und Erde bleiben. Dann sieht er, dass der Glaube ihm selbst in einem solchen Zustand ewiges Leben geben kann.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Babylonischer Talmud, Traktat Sota 35a. ↩

  2. Babylonischer Talmud, Traktat Kiddushin 30b. ↩

  3. Sprüche 2:4–5. ↩

  4. Sprüche 2:5. ↩

  5. Babylonischer Talmud, Traktat Sota 35a. ↩

  6. 4. Mose 7:9. ↩

  7. Babylonischer Talmud, Traktat Schabbat 94a. ↩

  8. Babylonischer Talmud, Traktat Sota 35a. ↩