220. Geschmack an kleinen und materiellen Dingen
Uns wurde Geschmack an kleinen und materiellen Dingen gegeben, damit wir, wenn wir erwachsen werden, wissen, wie man spirituelle und wichtige Dinge bewahrt.
Wir sehen ein kleines Kind, das mit einem Spielzeug spielt, das seine Eltern für es gekauft haben. Solange es daran Geschmack findet, spielt es damit. Später wirft das Kind es weg oder zerbricht es absichtlich. Wenn sein Vater es anschreit: „Ich habe doch viel Geld für diese Spielsachen ausgegeben. Warum zerbrichst du sie, wirfst sie weg oder verlierst sie – absichtlich oder unabsichtlich?“, versteht das Kind nicht einmal, wovon sein Vater spricht.
Wenn es etwas älter wird, beginnt es zu verstehen. Dennoch kann es sich noch nicht so weit beherrschen, dass es Dinge bewahrt, die es nicht braucht. Vielmehr muss es sie zerbrechen, denn es hat sich von klein auf daran gewöhnt, dass alles, was man gerade nicht braucht, kaputtgemacht werden muss.
Wenn es später noch älter wird, besitzt es bereits die Selbstbeherrschung, Dinge in seinem Haus aufzubewahren, auch wenn es momentan keinen Geschmack daran findet. Schließlich versteht es, dass man solche Dinge auch dann nicht kaputtmachen muss, wenn man kein Interesse mehr an ihnen hat. Vielmehr können sie kleinen Kindern dienen, das heißt Menschen, die weniger Verstand haben als es selbst.
Ohne diese Übungen würde sich sogar ein erwachsener Mensch so verhalten. Wenn er zum Beispiel keinen Geschmack mehr an einem Kleidungsstück fände, das er besitzt, würde er seinen Mantel zerreißen. Aus Erfahrung weiß er jedoch bereits, dass dieser Mantel einem Menschen dienen kann, der auf einer niedrigeren Stufe steht als er, nämlich hinsichtlich des Wohlstands. Deshalb verkauft er ihn einem Armen oder schenkt ihn ihm und macht ihn selbstverständlich nicht kaputt.
Daraus erkennen wir: Damit der Mensch das Spirituelle und das Innere, das in der Tora gekleidet ist, bewahren kann, muss er die oben genannten Übungen an materiellen Dingen durchlaufen. Wenn er sie abgeschlossen hat, kann man ihm auch Spirituelles geben.
Darauf weist der Ausspruch hin: „Ein Mensch sündigt nur, wenn ein Geist der Torheit in ihn eingedrungen ist.“1 Und unsere Weisen sagen: „Wer ist ein Narr? Wer verliert, was man ihm gibt.“2
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026