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221. Was ist Leben?

Von Leben spricht man, solange das Verlangen besteht, Genuss zu empfangen, oder solange ein Mensch Freude an dem hat, was er empfängt, oder daran, anderen zu geben. Geht ihm diese Kraft verloren, gilt er als tot.

Wenn ein Mensch das Bewusstsein verliert, gilt er als ohnmächtig; das heißt, ihm ist die Kraft des Verlangens verlorengegangen, Genuss zu empfangen. Wenn der Mensch dagegen seinem Leben bewusst ein Ende setzt, bedeutet das: Er ist in einen Zustand gelangt, in dem er aufgrund klarer Beweise sieht, dass er keinen Genuss mehr empfangen kann – etwa weil er viele Gläubiger hat, die ihm Leiden zufügen werden, sodass diese Leiden den kleinen Genuss zunichtemachen, von dem er sieht, dass er ihn aus dieser Welt noch empfangen kann.

Darum gehört er nicht zur Kommenden Welt. Denn er muss sich in Tora und Mizwot bemühen; dann wird er Genuss daraus empfangen, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. Dieser Genuss ist so groß, dass er selbst die schrecklichsten Leiden der Welt annullieren kann.

Dementsprechend wurden uns Mizwot gegeben, für die gilt: „Lass dich töten, aber übertritt sie nicht.“1 Dabei nimmt der Mensch die Leiden der Selbsthingabe auf sich, weil er glaubt, dass die Tat der Selbsthingabe Ihm Wohlgefallen bereiten wird. Wer also seinem Leben bewusst ein Ende setzt, bezeugt damit selbst, dass er keinerlei Freude und Genuss daran empfindet, Tora und Mizwot zu praktizieren, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Babylonischer Talmud, Traktat Sanhedrin, Blatt 74a. ↩