197. Über die Leiden – 1
Im Sinne der spirituellen Arbeit läutern die Leiden, wie unsere Weisen sagten: „Ich setze über euch einen König wie Haman, der euch gegen euren Willen zum Guten zurückführen wird.“1 Das heißt, es liegt in der Natur des Verlangens zu empfangen, das Leben genießen zu wollen.
Wenn der Mensch einen Teil einer Seele der Heiligkeit (Nefesh de Kedusha) in sein Herz aufnimmt, will diese Seele ein Gebender sein. Doch das Verlangen zu empfangen gibt ihr nicht die Kraft dazu. Dann hat auch das Verlangen zu empfangen selbst keine Freude am Leben, weil das Verlangen zu geben ihm keine Ruhe lässt. Jeden Tag lässt es ihn erkennen: Wenn er wie ein Tier lebt und nur die Begierden dieser Welt braucht, ist das kein Leben.
Dadurch wird ihm das Leben zuwider, und er empfindet darin nur Leiden. Denn bei allem, was er tut, um es zu genießen, verweigert ihm die Seele der Heiligkeit sofort die Befriedigung in diesem Leben. Das geht so weit, bis das Verlangen zu empfangen selbst zu ihm sagt: „Ich sehe, dass mir keine Wahl bleibt und ich dem Verlangen zu geben gehorchen muss, denn sonst finde ich keine Ruhe.“ Dies heißt: „Er wird euch gegen euren Willen zum Guten zurückführen.“
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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Talmud, Traktat Berachot 5a. ↩