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195. Über die Verbindung der Eigenschaft des Gerichts mit der Barmherzigkeit

Über die Verbindung der Eigenschaft des Gerichts mit der Barmherzigkeit, durch die der Untere für Mochin geeignet wird, und über ACHaP des Oberen, das zum Unteren gefallen ist.

Bekanntlich besteht die Hauptarbeit in der Wahl, also: „Wähle das Leben“1, damit Anhaftung (Dwekut) entsteht, also der Aspekt von um des Gebens willen (liShma). Dadurch wird man dessen würdig, am Leben allen Lebens anzuhaften. Wenn die Lenkung offenbart ist, gibt es keinen Raum für die Wahl. Deshalb erhob der Obere Malchut, die Eigenschaft des Gerichts, zu Ejnaim. Dadurch entstand eine Verhüllung: Der Untere erkennt einen Mangel am Oberen – dass im Oberen keine Gadlut (Erwachsensein) vorhanden ist.

Danach liegen die Eigenschaften des Oberen beim Unteren, das heißt, sie befinden sich im Mangel. Somit gleichen diese Kelim (Gefäße) dem Unteren: So wie der Untere keine Lebenskraft (Chajut) hat, gibt es auch in den Eigenschaften des Oberen keine Lebenskraft. Das heißt, er empfindet keinerlei Geschmack an Tora und Mizwot, denn sie sind ohne Lebenskraft.

Dann gibt es Raum für die Wahl. Der Untere muss sagen, dass er diese ganze Verhüllung deshalb empfindet, weil der Obere sich zum Wohl des Unteren eingeschränkt hat. Dies wird bezeichnet als: „Israel ist im Exil, und die Shechina ist mit ihnen.“2 Wie er den Geschmack empfindet, so spricht er. Das heißt, es ist nicht seine Schuld, dass er keinen Geschmack von Lebenskraft empfindet; vielmehr gibt es seiner Ansicht nach in der Spiritualität tatsächlich keinerlei Lebenskraft.

Wenn der Mensch sich jedoch überwindet und sagt, dass er in dieser Nahrung nur deshalb einen bitteren Geschmack findet, weil ihm die geeigneten Kelim fehlen, die die Fülle empfangen können – weil seine Kelim auf das Empfangen und nicht auf das Geben ausgerichtet sind –, und wenn es ihn schmerzt, dass der Obere sich verbergen musste, dann hat der Untere dadurch Raum für üble Nachrede. Dies ist der Aspekt des Erhebens von MaN durch den Unteren.

Dadurch erhebt der Obere sein ACHaP. Aufstieg bedeutet, dass der Obere dem Unteren den Vorzug und den Genuss zeigen kann, die sich in den Kelim von ACHaP befinden und die der Obere offenbaren kann. Somit erhebt er, aus der Sicht des Unteren, Galgalta und Ejnaim des Unteren eben dadurch, dass der Untere den Vorzug des Oberen sieht. Folglich steigt der Untere zusammen mit ACHaP des Oberen auf.

Wenn der Untere die Gadlut des Oberen sieht, wächst somit der Untere gerade dadurch.

Anfangs ist der Untere jedoch nur dafür geeignet, Katnut (Kleinsein) zu empfangen. Wenn sich die Gadlut des Oberen gegenüber dem Unteren offenbart, entsteht im Unteren ein Streit zwischen rechts und links, also zwischen dem Aspekt des Glaubens und dem Wissen.

Doch danach wird auch der Obere durch den Unteren vermindert; dies gilt als Massach de Chirik. Damit der Untere die Stufen des Oberen empfangen kann, darf er nämlich nur Wissen entsprechend dem Maß des Glaubens empfangen und nicht mehr. Dies gilt als Einschränkung der Linken Linie des Oberen durch den Unteren; der Untere ist also die Ursache dafür.

Dann kann der Untere bestehen, weil er Wissen und Glauben zugleich in sich einschließt. Dies wird als drei Linien bezeichnet; nur auf diese Weise empfängt der Untere die Vollkommenheit.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. 5. Mose 30:19. ↩

  2. Talmud, Traktat Megilla 29a. ↩