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247. Wer darauf achtet, sein Gewand umzuwenden

„Rabbi Jochanan sagte: Wer ist ein Tora-Gelehrter, dem man einen verlorenen Gegenstand aufgrund eindeutigen Wiedererkennens zurückgibt? Wer darauf achtet, sein Gewand umzuwenden.“1

Man muss verstehen, warum man ihm den verlorenen Gegenstand gerade wegen dieser Tugend zurückgibt. Daraus folgt nämlich: Selbst wenn er sich in allen Bereichen der Tora auskennt und alle Mizwot erfüllt, gibt man ihn ihm nicht zurück, wenn ihm diese Eigenschaft fehlt. Außerdem sehen wir, dass gewöhnliche Leute noch genauer darauf achten, ihre Gewänder nicht umzuwenden.

Dies ist im Sinne der ethischen Lehre zu verstehen. Bekanntlich ist die Seele in den Körper gekleidet; der Körper ist also das Gewand der Seele. Der Körper bezeichnet das Verlangen zu empfangen, denn mit dieser Natur wurde der Mensch erschaffen. Wenn der Tora-Gelehrte darauf achtet, sein Gewand umzuwenden, wenn er also das Verlangen zu empfangen in ein Verlangen umwandelt, das mit der Absicht zu geben handelt, kann man ihm bereits seinen verlorenen Gegenstand zurückgeben, denn es gibt keinen Grund, ihn zu verdächtigen.

Ein Verdacht ist nur möglich, solange er ein Verlangen zu empfangen hat. Dann kann man sagen, dass er lügt und den verlorenen Gegenstand für sich nehmen will. Wenn jedoch sein ganzes Verlangen nur darauf gerichtet ist zu geben, kann man ihm bereits alles geben, denn gewiss lügt er nicht.

Die Rückgabe eines verlorenen Gegenstands lässt sich anhand der Worte unserer Weisen erklären: „Wer ist ein Narr? Wer verliert, was man ihm gibt.“ Dass man ihm etwas gibt, bedeutet: Vom Himmel gibt man ihm ein gewisses Erwachen und Geschmack an Tora und Mizwot; danach geht ihm das gesamte Erwachen von oben verloren, das er besaß.

Der Grund dafür ist, dass er ein Narr ist, wie unsere Weisen sagten: „Ein Mensch begeht keine Übertretung, es sei denn, ein Geist der Torheit ist in ihn eingedrungen.“

Diese Torheit besteht darin, dass der Mensch seine Handlungen nicht so ausrichtet, dass sie in Gleichheit der Form mit dem Schöpfer stehen. Stattdessen will er alle Genüsse der Welt zu seinem eigenen Vergnügen empfangen. Dadurch trennt er sich vom Schöpfer, und so geht ihm die Heiligkeit (Kedusha) verloren, die er besaß. Ein solcher Mensch wird „missgünstig“ genannt [wörtlich: „bösen Auges“].

Aufgrund eindeutigen Wiedererkennens gibt man ihm jedoch seinen verlorenen Gegenstand zurück. Der Ausdruck „eindeutiges Wiedererkennen“ – wörtlich: „Prägung des Auges“ – leitet sich von den Worten ab: „Wer ein gutes Auge hat, wird gesegnet.“2 Das Maß eines Menschen mit gutem Auge besteht darin, dass er darauf achtet, sein Gewand umzuwenden. Das bedeutet: Er wandelt den Körper, der Verlangen zu empfangen heißt und das Gewand der Seele ist, in ein Verlangen zu geben um. Dann gibt man ihm seinen verlorenen Gegenstand zurück; er wird also erneut des Geistes der Heiligkeit würdig.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Talmud, Traktat Schabbat 114a. ↩

  2. Sprüche 22:9. ↩