250. Jeder, in dem Ehrfurcht vor dem Himmel ist – 1
Rabbi Chelbo sagte im Namen Rav Hunas: „Jeder, der Himmelsfurcht besitzt, dessen Worte werden gehört. Denn es heißt: ‚Das Ende der Sache: Alles wird gehört. Fürchte Gott und halte Seine Gebote, denn das ist der ganze Mensch.‘“1
Man muss fragen: Wir haben doch viele Große gesehen, die für Israel eintraten, deren Worte aber kein Gehör fanden. Und welchen Beweis liefern außerdem die Worte „Das Ende der Sache“?
Dies lässt sich im Sinne der ethischen Lehre erklären: Der Vers bezieht sich auf den einzelnen Menschen selbst. Wenn er sieht, dass seine Organe ihm nicht gehorchen, obwohl er sich noch so sehr mit Tora und spiritueller Arbeit beschäftigt, und er dennoch in seinem früheren Zustand verharrt und sich nicht einmal ein wenig zum Besseren bewegt, dann lassen ihn unsere Weisen verstehen, woran dies liegt.
Der einzige Grund ist, dass ihm Himmelsfurcht fehlt. Sobald er Himmelsfurcht besitzt, gehorchen ihm alle Organe.
Darauf weisen die Worte „Das Ende der Sache“ hin. Denn der Körper heißt „das Ende der Sache“, weil er eine Grenze darstellt, entsprechend dem Ausspruch: „Das Ende des Menschen ist der Tod.“ Das Spirituelle hingegen hat kein Ende. So sind die Worte „Das Ende der Sache: Alles wird gehört“ zu verstehen: Am Ende findet er Gehör; seine Organe gehorchen ihm, sobald er Himmelsfurcht besitzt. Das bedeuten die Worte „Fürchte Gott“. Dann wirst du dessen würdig, dass alles Gehör findet.
„Als Rabban Yochanan ben Sakkai krank wurde, kamen seine Schüler, um ihn zu besuchen. Sie sagten zu ihm: ‚Unser Lehrer, segne uns.‘ Er antwortete ihnen: ‚Möge es der Wille [des Schöpfers] sein, dass eure Furcht vor dem Himmel ebenso groß ist wie eure Furcht vor Fleisch und Blut.‘ Sie fragten ihn: ‚Unser Lehrer, ist das alles?‘ Er antwortete: ‚Wäre es doch so! Ihr sollt wissen: Wenn ein Mensch eine Übertretung begeht, sagt er: Möge mich kein Mensch sehen.‘“2
Man muss fragen: Was fragten sie, und was verstanden sie nicht, sodass ihnen sein Segen nicht genügte? Und was verstanden sie durch das Gleichnis vom Menschen, der eine Übertretung begeht, sodass sie danach zustimmten und begriffen, dass ihnen dieser Segen genügte und sie keinen größeren brauchten? Ebenso muss man die Ausdrücke „Ihr sollt wissen“ und „Ist das alles?“ verstehen.
Mein Vater und Lehrer (Baal HaSulam) sagte, dass es zwei Arten der Furcht gibt:
1) Furcht vor der Sünde.
2) Himmelsfurcht.
Das bedeutet: Manche Menschen halten Tora und Mizwot aus Furcht vor der Sünde, weil sie sonst zur Sünde kommen könnten. Manchmal fürchtet ein Mensch jedoch nicht mehr, dass er zur Sünde kommen könnte, weil er seine Handlungen bereits geläutert hat, sodass sie alle um des Himmels willen geschehen. Dennoch hält er Tora und Mizwot um des Himmels willen, also aufgrund des Gebots des Königs: Dies ist Sein Wille, und deshalb erfüllt er alles.
„Furcht vor der Sünde“ bedeutet, dass er alles nur für sich selbst erfüllt; sein Beweggrund ist er selbst. „Himmelsfurcht“ bedeutet, dass sein Beweggrund der Himmel ist: Er hält Tora und Mizwot, weil dies der Wille des Schöpfers ist.
Wenn er Tora und Mizwot nur um des Himmels willen hält, fällt es ihm schwer, sie zu halten, denn er versteht nicht, warum dies notwendig ist. So sagte König Salomo: „Er soll nicht vermehren usw.; ich werde vermehren usw.“
Damit können wir die oben erwähnte Aussage erklären. Sie fragten ihn: „Ist das alles?“ Sie dachten nämlich, er wünsche ihnen, ihre Furcht vor dem Himmel möge so groß sein wie die Furcht vor Fleisch und Blut. Ihrer Ansicht nach sollte ihre Himmelsfurcht damit der Furcht vor Fleisch und Blut entsprechen, also der Furcht vor der Sünde: Der Mensch hält Tora und Mizwot um seiner selbst willen, damit er nicht sündigt.
Deshalb fragten sie: „Ist das alles?“ Sie meinten: Kann man keine höhere Stufe der Furcht erreichen? Darauf antwortete er mit dem Gleichnis: Wenn ein Mensch eine Übertretung begeht, sagt er: „Möge mich kein Mensch sehen.“ Er fürchtet, jemand könnte ihn sehen und den Behörden ausliefern. Seine Furcht ist so stark, dass er die Übertretung nicht begeht, wenn jemand zusieht.
Daher sagte Rabban Yochanan ben Sakkai zu ihnen: „Ihr sollt wissen, dass ich die innere Bedeutung der Worte meine. Wenn ich euch mit den Worten segne: ‚Möge eure Furcht vor dem Himmel ebenso groß sein wie eure Furcht vor Fleisch und Blut‘, dann ist dies eine hohe Stufe.“
Er sagte zu ihnen: „Wäre es doch so, dass ihr dies erreicht.“ Er meinte damit, dass Himmelsfurcht auf ihnen liegen soll: Sie sollen Tora und Mizwot allein um des Himmels willen halten. Für euch selbst besteht dann keinerlei Furcht mehr, ihr könntet zur Sünde kommen, denn ihr seid bereits sicher, dass es für euch keine Möglichkeit zu sündigen gibt.
Ihr haltet Tora und Mizwot nur um des Himmels willen, weil dies der Wille des Schöpfers ist. Dennoch soll diese Himmelsfurcht der Furcht vor Fleisch und Blut gleichen.
Das bedeutet: Bei der Furcht vor Fleisch und Blut wisst ihr genau, dass ihr euch hüten und in jeder Hinsicht streng sein müsst, damit nicht ein einziger Augenblick ohne Furcht vergeht. Ihr steht ohne jede Erleichterung auf der Wacht und seid vielmehr in allem streng, was die Furcht vor Fleisch und Blut betrifft. Ebenso sollt ihr bei der Himmelsfurcht diese Furcht empfinden, damit nicht ein einziger Augenblick ohne sie vergeht.
Das bedeuten die Worte „Wäre es doch so!“ Im Gegenteil: Es ist eine sehr hohe Stufe, wenn die ganze Furcht um des Schöpfers willen besteht und dennoch Furcht und Wachsamkeit so stark sind wie bei der Furcht vor Fleisch und Blut.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026