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270. Jeder, mit dem der Geist des Volkes zufrieden ist – 2

„Wem die Menschen wohlgesinnt sind, dem ist auch der Schöpfer wohlgesinnt.“

Man muss verstehen: Es gibt doch viele Gerechte auf der Welt, denen die Menschen nicht wohlgesinnt sind. Im Gegenteil, sie hassen sie. Ebenso ist bekannt, dass ein Ungebildeter einen Tora-Gelehrten (Talmid Chacham) hasst.

Unsere Weisen sagten: „Jener Tora-Gelehrte, den die Bewohner der Stadt lieben, wird deshalb geliebt, weil er sie in Angelegenheiten des Himmels nicht zurechtweist.“ Es besteht jedoch die Pflicht: „Du sollst deinen Nächsten zurechtweisen.“ Daraus folgt, dass sie den Tora-Gelehrten hassen. Wie konnten sie also sagen: „Wem die Menschen wohlgesinnt sind …“? Noch schwerer verständlich ist, dass sie dies als Zeichen für die Ehrfurcht (Jira) vor dem Himmel angaben, denn es heißt, dass nur demjenigen, dem die Menschen wohlgesinnt sind, auch der Schöpfer wohlgesinnt ist.

Erklären lässt sich das so: Bekanntlich kann man die Liebe zum Schöpfer nicht erreichen, bevor man der Liebe zu den Menschen würdig geworden ist. Dies geschieht durch „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, wovon Rabbi Akiwa sagte, dass dies ein großer Grundsatz (Klal) der Tora ist. Dadurch gewöhnt sich der Mensch an die Liebe zu den Menschen, also an die Liebe zum anderen, und kann dann die Stufe der Liebe zum Schöpfer erreichen.

So ist das oben Gesagte zu erklären: „Wem die Menschen wohlgesinnt sind“ bedeutet, dass die Menschen an ihm Wohlgefallen finden, weil er sich immer mit der Liebe zu den Menschen beschäftigt und stets auf die Liebe zum anderen achtet. Dann ist ihm auch der Schöpfer wohlgesinnt. Das heißt, er empfindet Freude daran, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, also Ihm zu geben. Wer sich dagegen mit Eigenliebe beschäftigt, dem ist gewiss auch der Schöpfer nicht wohlgesinnt.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026