253. Iss nicht das Brot eines Engherzigen
Rabbi Yehoshua ben Levi sagte: „Jeder, der von Engherzigen Genuss empfängt, übertritt ein Verbot, wie geschrieben steht: ‚Iss nicht das Brot eines Engherzigen.‘ Denn wie er es in seiner Seele erwägt, so ist er: ‚Iss und trink‘, sagt er zu dir, doch sein Herz ist nicht bei ihm.“1
Dies muss man im Sinne der Ethik verstehen. Denn auf den ersten Blick stellt sich die Frage: Wenn sein Freund ihn zu einer Mahlzeit einlädt, was kümmert es uns? Es gibt doch eine Regel, von der an mehreren Stellen gesagt wird: „Man zwingt ihn.“ Dann ist sein Herz gewiss nicht bei ihm; dennoch sagt man, dass sein Herz in Wahrheit in Ordnung ist.
Wenn er ihn also hier mündlich einlädt, weshalb sollte es verboten sein, bei ihm zu essen? Rabbi Yehoshua ben Levi sagt sogar, dass man damit ein Verbot übertritt, und Rav Nachman bar Jizchak sagt, dass man zwei Verbote übertritt.
Die Erklärung folgt vielmehr der Regel, dass der Mensch die Stufe erreichen muss, auf der er empfängt, um zu geben. Das bedeutet: Der Mensch empfängt alle Genüsse nur, um dem Schöpfer zu geben. Wer daher bei einem anderen isst und weiß, dass dies dem Gastgeber Wohlgefallen bereitet, handelt nach dem Schöpfungsziel, dem zufolge der Mensch Vollkommenheit erreichen muss.
Anders ist es bei jemandem, der isst, obwohl seine Absicht unmöglich darin bestehen kann, dem Gastgeber Genuss zu verschaffen. Denn der Gastgeber genießt es nicht, dass der Gast bei ihm isst, da der Gastgeber engherzig ist. Dies widerspricht dem Schöpfungsziel; deshalb ist es verboten, bei ihm zu essen.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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Sota 38b. ↩