458. Und es wird geschehen: Weil ihr hört – 2
„Und es wird geschehen: Weil ihr hört.“ Rashi erklärt: „Wenn ihr auf die leichten Mizwot hört, die ein Mensch mit seinen Fersen tritt.“ Ebenso sagten die Weisen: „Achte auf eine leichte Mizwa ebenso wie auf eine schwere.“
Bei den Mizwot, an die der Mensch durch seine Erziehung gewöhnt ist, weiß er, dass er sie sorgfältig einhalten muss. Dinge hingegen, die ihm nicht durch seine Erziehung vermittelt wurden, kann er nur schwer einhalten. Denn er kennt ihre Tragweite nicht und ist nicht daran gewöhnt, auf ihre Einhaltung zu achten.
Daher betrachtet der Mensch die praktische Ausführung der Mizwot, die er durch seine Erziehung übernommen hat, als etwas Schwerwiegendes. Er weiß deshalb, dass er mit aller Sorgfalt auf sich achten muss, so weit es möglich ist. Anders ist es mit der Absicht: Sie kann dem Menschen zu Beginn seiner Arbeit noch nicht vermittelt werden. Wenn er später herangewachsen ist und man ihm sagt, dass er seine Absicht auf den Schöpfer ausrichten muss, misst er dieser Arbeit nicht dieselbe Bedeutung bei, weil sie ihm nicht durch seine Erziehung vermittelt wurde.
Deshalb tritt er sie mit seinen Fersen, das heißt, er schenkt ihr keine Beachtung, weil sie ihm leicht und unwichtig erscheint. Bei den praktischen Mizwot hingegen weiß er, dass es sich lohnt, sie einzuhalten und sich sogar strengere Regeln aufzuerlegen, als Religionsgesetz und Recht von ihm verlangen.
Der Absicht dagegen schenkt er keine Beachtung, weil er nicht daran gewöhnt ist. Daher kann der Mensch die Tora und die Mizwot einhalten, ohne den Grund zu kennen, der ihn dazu verpflichtet. Seine Erziehung allein ist für ihn Grund genug, die Tora und die Mizwot einzuhalten.
Doch das Wichtigste ist: Wenn der Mensch erwachsen geworden ist, muss er wissen, aus welchem Grund er die Tora und die Mizwot einhält, also welchem Ziel seine Anstrengung dient. Denn das Ziel des Menschen ist, Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer zu erreichen; dieser Zustand heißt Umkehr (Teshuwa).
Darauf bezieht sich das Gebot „Weil ihr hört“: auf das, was der Mensch mit seinen Fersen tritt und dem er keine Beachtung schenkt. Das bedeutet die Aussage: „Achte auf eine leichte Mizwa ebenso wie auf eine schwere.“ Kann er seine Absicht nicht auf den Schöpfer ausrichten, soll dies in seinen Augen so sein, als hätte er eine schwere Übertretung begangen. Dann kann der Mensch die von ihm verlangte Vollkommenheit erreichen.
Das Wort „leicht“ (kala) ist mit „Schande“ (kalon) und „Verachtung“ verwandt.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026