475. Horcht, ihr Himmel
Haazinu 1980
„Horcht, ihr Himmel, ich will reden, und die Erde höre die Worte meines Mundes.“
Die Kommentatoren fragten: Warum heißt es beim Himmel „horcht“, bei der Erde dagegen „höre“? Und ebenso: Warum steht beim Himmel der Ausdruck „reden“, bei der Erde dagegen der Ausdruck „sagen“?
„Himmel“ bezeichnet Menschen, deren ganzes Tun spirituellen Angelegenheiten gilt. „Erde“ bezeichnet jene, die sich mit irdischen Dingen beschäftigen. „Horcht“ drückt Nähe aus: Zu dem, der nahe steht, sagt man: „Horche auf das, was ich dir sage.“ „Hören“ dagegen drückt Ferne aus, wie geschrieben steht: „Eine Kunde haben wir aus der Ferne gehört.“
Für Menschen, die sich mit spirituellen Angelegenheiten befassen und der Wahrheit nicht fern sind, passt daher der Ausdruck „horcht“. Auch „reden“ passt zu ihnen, wie unsere Weisen über den Vers sagten: „So sollst du zum Haus Jakob sagen und den Kindern Israels verkünden.“ Den Männern sollst du Worte sagen, die so hart wie Sehnen sind; zu den Frauen dagegen sollst du sanft sprechen.
Maimonides sagt, dass man die Wahrheit, also liShma, Frauen, Kindern und allen ungebildeten Menschen nicht offenbaren darf. Erst wenn ihr Verstand gewachsen ist und sie besondere Weisheit erlangt haben, offenbart man ihnen dieses Geheimnis nach und nach.
„Reden“ bezeichnet also Worte, die so hart wie Sehnen sind, nämlich liShma: zu arbeiten, um keine Belohnung zu empfangen. Dem stimmt der Körper nicht zu. Einer „sanften Rede“ dagegen, also lo liShma, kann der Körper durchaus zustimmen. Deshalb muss man zu ungebildeten Menschen und zu Frauen sanft sprechen.
Menschen dagegen, die in der Arbeit stehen und sich mit Spiritualität befassen, darf man sagen, dass sie liShma arbeiten sollen, denn sie sind dem liShma nicht fern. Deshalb steht dort „horcht“, ein Ausdruck der Nähe – anders als bei jenen, die dem liShma fern sind.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026