<- Kabbala Bibliothek
Weiterlesen ->
Kabbala Bibliothek
Kabbala Bibliothek Startseite / Rabash / Aufzeichnungen / 467. Alle Völker der Erde werden sehen

467. Alle Völker der Erde werden sehen

Ki Tawo, Tel Aviv

„Und alle Völker der Erde werden sehen, dass der Name des Ewigen über dir ausgerufen ist, und sie werden sich vor dir fürchten.“

In einer Baraita heißt es: Rabbi Elieser der Große sagt, dies seien die Tefillin (Gebetsriemen) am Kopf.1 Die Tosafot erklären: Die Tefillin am Kopf sind sichtbarer als die am Arm, weshalb auf sie das Wort „sehen“ zutrifft. Die Tefillin am Arm dagegen müssen bedeckt sein, denn die Weisen leiten aus „als Zeichen an deiner Hand“ ab: für dich als Zeichen, nicht für andere als Zeichen.

Weiter heißt es dort: Das Shin (hebräischer Buchstabe) an den Tefillin ist ein Moses am Sinai überliefertes Gesetz. Die Tosafot schreiben dort unter Berufung auf Shimusha Rabba, dass das Shin auf der rechten Seite der Tefillin drei Köpfe und das auf der linken Seite vier Köpfe hat.

Woher wissen wir, dass man sie am linken Arm anlegt? Rav Ashi sagt: Es wird „jadcha“ geschrieben, mit einem zusätzlichen Hej, also „die schwache Hand“. Rashi erklärt: Weil das Wort mit einem Hej geschrieben ist, lässt es an eine weibliche Form denken. Daraus folgt, dass der linke Arm gemeint ist, der als kraftlos wie eine Frau beschrieben wird. Nach einer anderen Erklärung bedeutet „jadcha“: die schwache Hand, die kraftlose.

Man muss verstehen:

1) Warum sind die Tefillin am Kopf sichtbar und die am Arm bedeckt?

2) Warum hat das Shin auf der rechten Seite drei Köpfe und auf der linken vier?

3) Wir sehen doch nicht, dass die Völker der Erde sich vor den Tefillin am Kopf fürchten.

Unsere Weisen sagten: „Rabbi Chelbo sagte im Namen von Rav Huna: Wer Ehrfurcht (Jira) vor dem Himmel besitzt, dessen Worte werden gehört, wie es heißt: ‚Das Ende der Sache: Alles wird gehört. Fürchte Gott und halte Seine Mizwot, denn das ist der ganze Mensch.‘“2

Dazu ist zu fragen:

1) Wir sehen doch: Obwohl viele Große und Gerechte für Israel auftraten, wurden ihre Worte nicht gehört.

2) Wie beweist der Vers „Das Ende der Sache …“, dass die Worte eines Menschen gehört werden, der Ehrfurcht vor dem Himmel besitzt?

Man muss dies im Sinne der spirituellen Arbeit erklären. Der Vers bezieht sich auf den einzelnen Menschen selbst. Wenn er sieht, dass seine Körperorgane ihm nicht gehorchen, sondern er trotz seiner Beschäftigung mit Tora und spiritueller Arbeit weiterhin auf der Stelle steht und sich nicht im Geringsten darauf zubewegt, der Spiritualität würdig zu werden, dann geben ihm unsere Weisen einen Rat: Der Hauptgrund liegt darin, dass ihm Ehrfurcht vor dem Himmel fehlt.

In genau dem Maß, in dem er Ehrfurcht vor dem Himmel besitzt, werden sich seine Körperorgane ihm unterordnen. Darauf weist „Das Ende der Sache“ hin. Denn der Körper wird als Ende und Grenze bezeichnet, wie unsere Weisen sagten: „Das Ende des Menschen ist der Tod.“ Die Seele im Körper dagegen ist ewig und ohne Grenze.

So ist der Vers zu verstehen: „Das Ende der Sache: Alles wird gehört“ – wie es auch sein mag, der Körper wird auf den Rat des Guten Triebs (Jezer haTov) hören. „Fürchte Gott“ bedeutet: Dir fehlt nichts außer Ehrfurcht vor dem Himmel. Dann wirst du „halte Seine Mizwot“ erlangen, das heißt, du wirst Seine Mizwot halten können, „denn das ist der ganze Mensch“. Was bedeutet „denn das ist der ganze Mensch“? Rabbi Elasar sagte: „Der Schöpfer sprach: Die ganze Welt wurde nur dafür erschaffen.“

Schöpfung wird „Existierendes aus Nichts“ genannt. Ehrfurcht vor dem Himmel betrifft die Wahl, und Wahl ist nur dort möglich, wo Finsternis herrscht, also Verhüllung. Andernfalls gibt es keine Wahl. Schöpfung bedeutet Finsternis, denn bevor die Welt erschaffen wurde, war alles Licht, wie es heißt: „Du bist derselbe, bevor die Welt erschaffen wurde.“ Das ist die Bedeutung von „die ganze Welt“: Die Verhüllung entstand nur, damit es einen Ort für die Wahl gibt; dies wird „dafür“ genannt.

Warum die Tefillin am Arm bedeckt und die am Kopf sichtbar sind, habe ich von meinem Vater und Lehrer (Baal HaSulam) gehört: Die Tefillin am Kopf stehen für Tora, die am Arm für Glauben. Demnach müssen die Tefillin am Kopf, die als Tora gelten, sichtbar sein. Das entspricht dem „Sehen“, das „die Augen der Gemeinde“ genannt wird; denn Sehen ist Chochma.

Der Glaube dagegen ist verhüllt. Gerade während der Verhüllung ist Glaube möglich. Dann kann man sagen: Obwohl der Mensch die Wahrheit einer Sache weder versteht noch sieht, glaubt er dennoch. Deshalb müssen die Tefillin am Arm bedeckt sein.

Das erklärt auch, warum die Tefillin am Arm auf den linken Arm gelegt werden müssen. Rav Ashi führt als Beleg „jadcha“ an, die schwache Hand. Dies weist auf Erlangung hin, wie in den Worten „wenn seine Hand es erlangt“. Erlangung gilt als weibliche Eigenschaft – „seine Kraft wurde schwach wie die einer Frau“ –, weil sie Glaube ist und nicht Wissen. Bei der Tora ist es umgekehrt: Sie gilt gerade als Wissen; andernfalls wird sie nicht Tora genannt.

Dass das Shin auf der rechten Seite drei Köpfe und auf der linken vier haben muss, gehört zur verborgenen Weisheit. Der heilige ARI sagt: Mochin (höhere Verstandeslichter), also die höhere Fülle, wirken auf vier Sefirot: Chochma, Bina und Daat, wobei Daat zwei Sefirot umfasst, die Chessed und Gwura heißen.

Chochma ist das Wesen (Ezem) der Fülle, die den Unteren gegeben wird. Bina bezeichnet die Kräfte, mit denen die Unteren nach oben geben wollen. Wenn ein Erwachen zum Herabziehen von Chochma vorhanden ist, wird dieses Erwachen Chessed genannt; es trägt das Herabziehen von Chochma. Zugleich muss ein Massach (Schirm) errichtet werden, der „Kräfte“ genannt wird, damit die Absicht ausschließlich darauf gerichtet ist, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.

Manchmal besteht das Verlangen, die Fülle herabzuziehen, bereits, doch die Kraft des Massach gegenüber der Fülle ist noch nicht vollendet. Dann gelten Chessed und Gwura als nicht vereint. Dies wird durch das Shin mit vier Köpfen bezeichnet. Wenn die Kraft des Massach der Fülle entspricht, gelten Chessed und Gwura als vereint. Dies wird durch das Shin mit drei Köpfen bezeichnet.

Es gibt außerdem einen Zustand, in dem Chochma wegen der Größe der Fülle nicht leuchten kann. Dann besteht die Korrektur darin, dass Chochma nicht leuchtet. In diesem Fall sind Chessed und Gwura nicht vereint, und dort leuchten nur Chassadim. Dies wird „rechts“ genannt. Der Ort, an dem Chochma leuchtet, wird dagegen „links“ genannt, weil dort Korrekturen erforderlich sind, entsprechend der „schwachen Hand“.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Menachot 35b. ↩

  2. Brachot 6b. ↩