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472. Das Verborgene gehört dem Ewigen, unserem Gott

Nizawim 5741 [September 1981]

„Das Verborgene gehört dem Ewigen, unserem Gott; das Offenbare aber uns und unseren Kindern auf ewig, damit wir alle Worte dieser Tora erfüllen.“

Im Sinne eines Hinweises ist dies so auszulegen: Das Offenbare bezeichnet die Handlung, das Verborgene die Absicht. Die Absicht – also der Grund, der einen Menschen dazu veranlasst, die Handlung auszuführen – bleibt anderen verborgen, denn niemand weiß, was im Herzen seines Nächsten ist.

Sogar ein Mensch selbst kann sich über seine Absicht täuschen: Er glaubt, der Grund, der ihn zu einer Handlung veranlasst, sei, dass er um des Himmels willen handelt. In Wahrheit kann es aber sein eigener Nutzen sein, der ihn dazu bewegt. Daher weist das Verborgene auf die Absicht hin.

Dabei sind zwei Ebenen zu unterscheiden: 1) die Allgemeinheit und 2) der Einzelne. Bei der Allgemeinheit denkt man hauptsächlich an die Handlung und nicht an die Absicht, denn man kann nicht von der Allgemeinheit verlangen, während der Handlung die wahre Absicht auszurichten. Beim Einzelnen dagegen spricht man hauptsächlich über die Absicht. Daher kann jemand hinsichtlich der Allgemeinheit ein Gerechter sein, hinsichtlich des Einzelnen aber ein Frevler.

Darüber kann man sagen: „Selbst wenn die ganze Welt dir sagt, du seist ein Gerechter, sei in deinen eigenen Augen ein Frevler.“ Denn der Mensch muss seine Absicht allein auf den Schöpfer ausrichten, also nicht, um Lohn zu empfangen; solange er das noch nicht vermag, befindet er sich auf der Stufe eines Frevlers.

Wenn der Mensch erkennt, dass er im Verborgenen noch völlig vom Ziel entfernt ist, darf er nicht verzweifeln. Vielmehr muss er glauben: „Das Verborgene gehört dem Ewigen, unserem Gott.“ Das bedeutet, dass Er den verborgenen Teil geben wird, während wir unseren offenbaren Teil tun müssen, nämlich die Handlungen.

Mit der Zunahme der Handlungen wächst in ihm das Bedürfnis nach vielen Absichten, also nach dem verborgenen Teil. Da die Regel gilt: Es gibt kein Licht ohne ein Kli (Gefäß), das heißt ohne ein Verlangen, vergrößert die Vielzahl der Handlungen den Mangel, bis er ein bestimmtes Maß erreicht. Dann gilt: „Das Verborgene gehört dem Ewigen, unserem Gott“, denn dann gibt Er das Verborgene.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026