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Kabbala Bibliothek Startseite / Rabash / Aufzeichnungen / 476. Die Reichen sollen nicht mehr geben und die Armen nicht weniger

476. Die Reichen sollen nicht mehr geben und die Armen nicht weniger

„Der Reiche soll nicht mehr und der Arme nicht weniger als einen halben Schekel geben.“ Abwägen bedeutet, sich dafür zu entscheiden, die Abgabe für den Schöpfer zu geben.

Mit „reich“ und „arm“ ist gemeint, ob jemand arm an Verstand ist oder umgekehrt. Das Wort „Schekel“ bezeichnet eine Waage, also Gewichtssteine, mit denen man wiegt. Der Mensch muss in sich abwägen, auf welchem Weg er sich befindet. Er muss wissen, dass er immer im Zustand „halb und halb“ ist. Unsere Weisen sagten: „Ein Mensch soll sich stets als halb schuldig ansehen.“1

Ein Mensch soll nicht meinen, jemand sei reich – er habe also mehr Tora und gute Taten – und befinde sich deshalb nicht mehr im Zustand „halb und halb“. Vielmehr gilt: „Wer größer ist als sein Nächster, dessen Böser Trieb (Jezer haRa) ist umso stärker.“2

Daraus folgt: Sowohl der Reiche als auch der Arme können in sich den guten und den bösen Weg abwägen. Abwägen bedeutet, sich dafür zu entscheiden, die Abgabe für den Schöpfer zu geben. Das lässt sich mit jemandem vergleichen, der einen Lebensmittelladen betritt, in dem der Händler Waren abwiegt. Sind viele Kunden im Laden, denkt jeder, der Händler habe für ihn gewogen.

Ebenso ist es hier: Sitra Achra (die andere Seite) möchte, dass er für sie abwägt, und die Heiligkeit (Kedusha) möchte, dass er für sie abwägt. Deshalb heißt es im Vers: „die Abgabe für den Ewigen zu entrichten“ – er wägt also für den Schöpfer ab. „Halb“ bezeichnet einen Mangel, das Geheimnis des Kli (Gefäßes), denn es gibt kein Licht ohne ein Kli. Deshalb gelten das Kli und das Licht als eine Einheit. Das Licht ist die eine Hälfte und das Kli die andere. Aus beiden entsteht Wahrheit: aus dem Mangel und aus der Offenbarung.

Darauf bezieht sich die Formulierung „ein halber Schekel“: Der Mensch soll darauf achten, dass er eine Hälfte besitzt, also einen Mangel. Zugleich muss er geeignet sein, die Füllung zu empfangen; auch auf diesen Mangel hin muss er also fähig sein zu empfangen.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Kiddushin 40b. ↩

  2. Sukka 52b. ↩