470. Wenn ihr kommt – 1
„Und es wird geschehen, wenn du in das Land kommst, das der Ewige, dein Gott, dir als Erbbesitz gibt, und du es in Besitz nimmst und darin wohnst.“ Rashi erklärt: „Dies lehrt, dass sie erst dann zur Darbringung der Erstlingsfrüchte verpflichtet waren, nachdem sie das Land erobert und unter sich aufgeteilt hatten.“
Im Sinne der Andeutung lässt sich erklären: Die „Arbeit des Menschen“ besteht darin, sich den ganzen Tag, soweit es ihm möglich ist, mit dem Weg des Schöpfers zu beschäftigen. Wenn er anschließend Selbstprüfung (Cheshbon haNefesh) darüber hält, wie sein Tag verlaufen ist, heißt das „Eroberung des Landes“. Dann beginnt er, die Ordnung seiner Arbeit aufzuteilen: Für wen hat er gearbeitet, wem kam seine Arbeit also zugute? Darüber steht geschrieben: „Dann sollst du von den ersten Früchten des Erdbodens nehmen.“ Das Wort Adama (Erdboden) erinnert an Adame la-Eljon (ich werde dem Höchsten gleichen).
Das bedeutet: Zuerst muss der Mensch prüfen, ob seine Früchte ihm die Angleichung der Form gebracht haben. Er muss also zunächst sehen, ob seine Arbeit Früchte getragen hat, denn es heißt: „Ich habe den Bösen Trieb (Jezer haRa) erschaffen; Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“
Wenn er des „Gewürzes“, also der Angleichung der Form, würdig wurde, muss er prüfen, in welchem Maß er während seiner Arbeit die Angleichung der Form erreicht hat und was ihm davon nach der Arbeit geblieben ist.
Wenn er sieht, dass seine Arbeit nicht so ist, wie sie sein sollte, dann gilt: „Du sollst antworten und sagen … Einem Aramäer dient mein Vater.“ Denn in ihm ist der Böse Trieb, ein Betrüger, der den Menschen jedes Mal auf andere Weise täuscht. Vor allem redet er ihm ein, er müsse seine Taten nicht korrigieren. Deshalb steht geschrieben: „Du sollst antworten.“
Rashi erklärt, dies bedeute, die Stimme zu erheben. Der Mensch muss also laut rufen, damit er deutlich hört, dass der Betrüger noch immer in seinem Herzen ist. Dennoch soll er sich über eines freuen: Immerhin ist er zur Wahrheit gelangt und sieht nun seinen wirklichen Zustand.
Das ist die Bedeutung von: „Und du sollst dich an all dem Guten erfreuen, das der Ewige dir gegeben hat“ und so weiter. „Gut“ heißt es, nachdem der Mensch wirklicher Früchte würdig geworden ist.
„An all dem Guten“ bedeutet, dass er sich freuen soll, weil er immerhin des Anblicks des Bösen würdig wurde. Durch die Erkenntnis des Bösen kann er zum Guten gelangen. „All das Gute“ bezeichnet demnach das Böse, das als Kli (Gefäß) für das Gute dient. Darüber soll er sich freuen. Der Mensch muss also immer in Freude sein, denn sonst ist er an die Sitra Achra (die andere Seite) angehaftet.
Freude kann der Mensch nur an einer konkreten Wirklichkeit empfinden. Solange er die Wahrheit noch nicht sieht, freut er sich vielleicht darüber, dass er sich für vollkommen hält. Beginnt er jedoch, die Wahrheit zu sehen, soll er sich darüber freuen, dass er dieses Anblicks würdig wurde. Danach wird er wahrer Freude würdig: Er wird der Wahrheit würdig und bringt dann die Erstlingsfrüchte dar.
Die Erstlingsfrüchte sind also die Früchte, die sich durch die Arbeit offenbaren, wie es heißt: „Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten.“ „Säen“ bedeutet, dass der Mensch alles, was er hat, der Erde übergibt, bis es verrottet und ihm nichts mehr bleibt. Selbst das Wenige, das er besaß, geht ihm verloren.
Deshalb gibt es dann Tränen darüber, dass er nichts hat, woran er sich festhalten kann. Das Leid über den Mangel in ihm bildet die Gefäße, die später gefüllt werden können. Dies heißt: „Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten.“ Dabei handelt es sich um Gefäß und Licht, Mangel und Füllung, Negation und Bejahung. Wird er des Lichts würdig, kehrt er daher zu den Mängeln zurück, die er hatte.
Deshalb erzählt er: „Einem Aramäer dient mein Vater, und er zog nach Ägypten hinab.“ Dies entspricht den Worten meines Vaters und Lehrers (Baal HaSulam): Zur Zeit der Gadlut (Erwachsensein) muss man Ehrfurcht (Jira) aus dem schöpfen, was man durchlebt hat.1
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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siehe „Einleitung in das Buch Sohar“, im Artikel „Ein Gebet (Tefilla) Habakuks. ↩