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566. Ihre Nachkommen unter die Völker fallen lassen

„‚Da erhob die ganze Gemeinde ihre Stimme‘, wie es in der Schrift heißt: ‚Sie erhob ihre Stimme gegen Mich; deshalb hasste Ich sie.‘ Jene Stimme, mit der ihr geweint habt, führte dazu, dass ihr verhasst wurdet … In jener Stunde wurde beschlossen, dass der Tempel zerstört wird, damit Israel unter die Völker verbannt wird. So heißt es in der Schrift: ‚Er erhob Seine Hand gegen sie, um sie in der Wüste niederzuwerfen, ihre Nachkommen unter die Völker fallen zu lassen und sie über die Länder zu zerstreuen‘ – erhobene Hand gegen erhobene Stimme.“1

Um all dies im Sinne der spirituellen Arbeit zu verstehen, muss man erklären, was der Tempel bedeutet. Wenn der Mensch für eine gewisse Zeit einer Erleuchtung der Heiligkeit (Kedusha) würdig wird, nennt man dies: Er ist in den Tempel eingetreten.

Die Zerstörung des Tempels bedeutet, dass ihm diese Erleuchtung wieder genommen wird. Die Zerstörung tritt ein, wenn der Mensch sündigt, also wenn er diese Erleuchtung benutzt, um in seinem Herzen Genuss daraus zu ziehen, oder wenn er daraus eine Stütze in Mocha (Verstand) erhält. Dann weicht sie von ihm.

Es gibt die Stimme des Schöpfers und die Stimme des Unteren, die „ihre Stimme“ oder „deren Stimme“ genannt wird. Die „Stimme des Schöpfers“ ist da, wenn er nur spricht, um dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. Die Stimme des Unteren ist da, wenn das Sprechen dem Menschen Wohlgefallen bereiten soll. Deshalb heißt es: „Sie erhoben ihre Stimme.“ Ebenso: „Sie erhob ihre Stimme gegen Mich.“ Dies verursachte die ganze Zerstörung.

Bei der Zerstörung bleibt der Mensch nicht an seinem Platz, also nicht in dem Zustand, in dem der Mensch war, bevor er des Tempels würdig wurde, sondern sein Zustand wird noch schlechter. Denn es gilt die Regel: Wenn der Mensch nicht aufsteigt, steigt er ab.

Wegen der Sünde wird ihm daher nicht nur genommen, was man ihm gegeben hat, sondern er wird darüber hinaus bestraft. Dies nennt man die Verbannung unter die Völker: Er fällt unter die Herrschaft der Begierden und Verlangen der Völker der Welt. Das ist die Bedeutung von: „Er erhob Seine Hand gegen sie, um sie in der Wüste niederzuwerfen“ – an einen Ort, an dem der Verstand der Heiligkeit keine Bleibe hat.

„Ihre Nachkommen unter die Völker fallen zu lassen“ bedeutet: Die Kräfte, die „ihre Nachkommen“ genannt werden, werden für die Begierden der Völker eingesetzt. Der Mensch kann dann keinerlei Arbeit verrichten, wenn sie nicht dem Körper Genuss bringt – und der Körper ist ein Aspekt der Völker.

„Und sie über die Länder zu zerstreuen“ bedeutet, dass all ihre Gedanken zerstreut sind und sie denken, was ungebildete Menschen denken. Deshalb sagten die Weisen: „Erhobene Hand gegen erhobene Stimme.“ Sie sündigten lediglich mit der Stimme, denn ihre Absicht war auf den eigenen Nutzen gerichtet. Dennoch hatten sie den Wunsch, in der Heiligkeit zu sein.

Dem stand jedoch die erhobene Hand gegenüber: Sie fielen noch tiefer und hatten nur noch Verlangen nach materiellen Dingen. Doch dies dient der Korrektur. Andernfalls hätten sie nicht den Mangel empfunden, dass ihre Handlungen korrigiert werden müssen, sondern hätten sich mit wenig begnügt. Sie wären also bereit gewesen, in dem Zustand zu bleiben, in dem sie waren, bevor sie der Erleuchtung würdig wurden.

Wenn sie aber tiefer fallen, besteht die Hoffnung, dass der Lebende es sich schließlich zu Herzen nimmt, Umkehr (Teshuwa) vollzieht und das Gebäude des Tempels wiedererrichtet.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Midrash Rabba, Shlach 16. ↩