559. Hundert Segnungen
„Und Isaak säte in jenem Land und fand in jenem Jahr (Shana) hundert Maß.“ Durch die 355 Tage, die jedes Jahr hat, gibt es viele Nichtigkeiten und Torheiten. Er sah, dass er sich im Zustand „Was?“ (Ma) befand. Anders als Abraham, der immerhin sagte: „Ich bin Staub und Asche“, war er ein wirkliches „Was?“. Weil er alle Nichtigkeiten zur Heiligkeit (Kedusha) erheben wollte, gelangte er schließlich zum Zustand „Was?“. Dem Verständigen genügt dies. (Vielleicht entspricht dies auch dem Vers: „Die Frevler werden darin straucheln, die Gerechten aber werden darin gehen.“) Nachdem er im Handeln „hundert Maß“ erreicht hatte, wurde er mit einer Segnung belohnt, dem Zustand des Hörens. Aus Ma (Was) wurde Me’a (hundert): Er zog den Alef, den Fürsten der Welt, in das Ma hinein, und so entstanden hundert Segnungen.
So ist auch die schriftliche und die mündliche Tora zu verstehen. Die schriftliche Tora wird in der Tora „Yud–Hej–Waw“ genannt, wie es heißt: „Und wir sind was?“ Zuerst muss der Mensch zu einem „Was?“ werden, indem er den Worten unserer Weisen glaubt. Dann wird er mit „hundert“ (Me’a) belohnt, also mit dem unteren Hej. Wenn auch das untere Hej leuchtet, wenn man also Yud–Hej–Waw in das untere Hej hineinzieht, entsteht Vollkommenheit. Dies heißt „hundert Segnungen“.
Dies ist das Geheimnis von „Licht, Wasser, Firmament“. Sie entsprechen den hundert Segnungen, die der Mensch jeden Tag vollziehen muss. Darin liegt das Geheimnis des Verses: „Er beschließt ein Wort, und es kommt zustande.“
„Licht“ bedeutet: Zunächst bestand der Zustand des Lichts. Dann wurde das Licht eingeschränkt und aus dem Licht wurde „Wasser“. Danach wurde beschlossen, dass zwischen dem oberen und dem unteren Wasser ein „Firmament“ entstehen sollte. Wenn der Mensch empfindet, dass er sich unterhalb des Firmaments befindet und in Trennung geraten ist, weint er. Darin liegt das Geheimnis der Worte: „Das untere Wasser weint.“
Dann korrigiert er sich und gelangt zu seiner Vollkommenheit. Das ist die Bedeutung von „es kommt zustande“: Das Wort des Schöpfers erfüllt sich. Mit anderen Worten, der Schöpfer wird in der ganzen Schöpfung empfunden. Darin liegt das Geheimnis der hundert Segnungen. Das ist auch die Bedeutung von „Und Isaak wohnte beim Brunnen Lachai Roi“. Er führte alle Nichtigkeiten zurück und klärte sie für Lachai Roi, das heißt für den „Lebenden der Welten“.
Dies ist die Bedeutung der drei Brunnen, also der drei Klärungen:
1) „Essek“ (Streit/Bedrängung). Er sah, dass die Klipa (Schale) die Heiligkeit beraubt, indem sie Bilder vom Schöpfer zeichnet, als wäre Er nicht „der, den meine Seele liebt“. Sie behauptet, ihr Bild sei das Bild des Schöpfers. So heißt es im Zusammenhang mit Sara: „Da wurde ich in ihren Augen gering.“ Die Klipa zeichnet Bilder und behauptet, dies sei die Gestalt der heiligen Shechina (göttlichen Gegenwart). Dadurch raubt sie die wahre Gestalt.
Das ist die Bedeutung von „Dieses Jahr sind wir Sklaven“: Wir folgen dem Bild, das die Magd von der Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer vermittelt. „Im kommenden Jahr sind wir freie Menschen“ bedeutet: Von nun an nehmen wir die wahre Gestalt an, wie Söhne und nicht wie Sklaven. So werden wir zu freien Menschen und von jenem Bild befreit.
Danach folgt die zweite Klärung: 2) „Sitna“ (Anfeindung), nach dem Vers: „Ihr, die ihr den Ewigen liebt, hasst das Böse.“
Gerade durch das Böse wird man damit belohnt, zu den „geliebten Freunden“ zu gehören. Denn dies ist nicht die Gestalt, welche die Sitra Achra (andere Seite) durch Raub erzeugt. Die wahre Gestalt ist vielmehr die der „geliebten Freunde“, wie geschrieben steht: „Habt ihr den gesehen, den meine Seele liebt? Ich suchte den, den meine Seele liebt. Kaum war ich an ihnen vorübergegangen, da fand ich den, den meine Seele liebt. Ich hielt ihn fest und ließ ihn nicht los.“
3) Danach gelangt er zum Brunnen, also zu einer Klärung namens „Rechowot“ (Weiten): „Denn nun hat der Ewige uns Raum geschaffen, und wir werden uns im Land vermehren.“ Das ist auch die Bedeutung von „Und Isaak wohnte in Gerar“: Er wurde dem Schöpfer nachgezogen, wie ein Schatten dem Menschen folgt, und wurde so mit Hashgacha Pratit (Persönlicher Vorsehung) belohnt.
Das ist die Bedeutung des Verses: „Wer ist sie, die aus der Wüste heraufsteigt wie Rauchsäulen?“ Zuvor war es wie beim Frosch: Durch die Schläge, mit denen man ihn bezwingen wollte, vermehrten sich die Frösche. Schließlich sieht der Mensch einen brennenden Palast. All dies sind nur Grübeleien (Hirhurim) über den Schöpfer.
„Sie steigt aus der Wüste herauf“: Solange der Mensch noch in der Wüste ist, also unter den Klipot (Schalen), erscheint ihm alles „wie Rauchsäulen“. Welt, Jahr und Seele (Olam, Shana, Nefesh) bilden zusammen das Wort Ashan (Rauch). All dies ist für ihn wie Rauchsäulen; er kann sie nicht ertragen und flieht vor ihnen. Das ist die Bedeutung von „auf den Bergen von Bether“. „Berge“ (Harim) weist auf böse Grübeleien hin. Bether wird mit „Kadaver“ übersetzt: Daraus werden Tote, die vom Leben der Leben getrennt sind.
Darum sagt die heilige Shechina: „Flieh, mein Geliebter, auf die Balsamberge!“ Durch den Buchstaben Chet, der auf einen Abstieg der Stufe hinweist, nimmt der Mensch alles im Handeln an. Danach wird er damit belohnt, dass aus diesen Bergen Wohlgerüche werden. Wie oben erklärt, erhebt er alles zur Heiligkeit.
Darin liegt das Geheimnis der „Myrrhe“ (Mor): Zunächst empfindet er Bitterkeit (Merirut) in Welt, Jahr und Seele. Dann wird er mit „Weihrauch“ (Lewona), dem höheren Weiß (Loven), belohnt. Dies entspricht den hundert Segnungen: Aus dem Buchstaben Chet wird der Buchstabe Kof, also Segnungen.
Dies ist die Bedeutung des Fürsten des Vergessens, der „böser Mund“ (Pe Ra) heißt. Weil Menschen über den Schöpfer tratschen und üble Nachrede führen, lässt der Schöpfer sie vergessen, Ihn zu erwähnen. Denn dies ist ein großer Makel, der, wie oben erklärt, „Raub“ heißt: Dieses Bild ist nicht wahr. Vielmehr ist Er gut und tut Gutes; Er ist „der, den meine Seele liebt“. Dann kann man Ihn finden.
Die Gestalt der Sitra Achra hingegen kann man nicht finden, denn sie existiert nicht in der Wirklichkeit.
Das ist die Bedeutung von „Pulver des Gewürzhändlers“: Selbst der Staub übler Nachrede, der nach dem Reden im Körper zurückbleibt, schadet. Wenn der Mensch jedoch alles im Handeln über dem Verstand annimmt, wird er mit großen Lichtern belohnt, die „Duft“ heißen. Darauf weist der über den Messias gesagte Vers: „Und er wird Duft schöpfen in der Ehrfurcht (Jira) vor dem Ewigen.“ Lichter können nur wie ein Duft empfangen werden, der von unten nach oben aufsteigt.
Wie es Wonnen in MaN (weiblichem Wasser) gibt, so gibt es auch Wonnen in MaD (männlichem Wasser). Entsprechend der Freude, die der Mensch während des Handelns empfindet, empfindet er auch Freude in MaD, also beim Hören. Das Wichtigste ist die Vorbereitung der Gefäße, nämlich ihre Umwandlung in Gefäße des Gebens.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026