576. Ein Schabbatgericht
„Ein Kaiser sagte zu Rabbi Yehoshua ben Chananya: ‚Warum verströmt ein Schabbatgericht einen so starken Duft?‘ Er antwortete ihm: ‚Wir haben ein Gewürz, das Schabbat (Sabbat) heißt.‘ Der Kaiser sagte: ‚Gib uns davon.‘ Er erwiderte: ‚Jedem, der den Schabbat hütet, nützt es; wer den Schabbat nicht hütet, dem nützt es nicht.‘“1 Maharsha erklärte dazu: Der Kaiser dachte, es gebe eine Gemüseart mit dem Namen Schabbat.
Man muss fragen: Woher wusste der Kaiser, dass das Gericht so stark duftete? Sicherlich hatte er davon gekostet. Was bedeutet dann seine Bitte: „Gib uns davon“? Manche erklären, er meinte damit, dass er selbst das Gericht kochen wollte. Denn nur wenn Israel es gekocht hat, kann auch der Nichtjude davon kosten und den aromatischen Geschmack wahrnehmen.
Kocht der Nichtjude jedoch für sich selbst, kann er diesen aromatischen Geschmack nicht wahrnehmen, weil er den Schabbat nicht hütet. Deshalb antwortete ihm Rabbi Yehoshua ben Chananya: „Jedem, der den Schabbat hütet, nützt es“ usw.
Die Bedeutung im Sinne der ethischen Lehre ist folgende: Bekanntlich gibt es im Menschen selbst einen Nichtjuden und einen Juden – den Kaiser, der „ein alter und unvernünftiger König“ genannt wird, und den Guten Trieb. Der Unterschied zwischen Schabbat und den Wochentagen besteht darin, dass es eine Zeit der Arbeit und eine Zeit für den Empfang des Lohns gibt. Schabbat gilt als Erwachen von oben. Das bedeutet, dass am Schabbat keine Zeit der Arbeit ist, denn der Schabbat ist wie ein Vorgeschmack auf die Kommende Welt, deren Wesen die Zeit für den Empfang des Lohns ist.
Deshalb ist es am Schabbat verboten, eine Tätigkeit zu verrichten: Es ist eine Zeit der Vollkommenheit, und man darf am Schabbat keinen Mangel hervorrufen. Wenn jemand eine solche Tätigkeit verrichtet, zeigt dies, dass etwas fehlt.
Die Wochentage hingegen sind die Zeit der Arbeit, also der Anstrengung im Kampf gegen den Bösen Trieb (Jezer haRa). Der Mensch muss gegen seine Natur arbeiten, denn seine Natur besteht darin, Genuss für sich selbst zu empfangen. Er ist zu keiner Bewegung fähig, wenn daraus kein Genuss für ihn selbst entsteht. Wenn er daher um des Himmels willen arbeiten will, kostet ihn das große Anstrengung.
In dem Maß, wie er sich daran gewöhnt hat, Handlungen um des Himmels willen auszuführen, kann er beim Eintreten des Schabbat dessen Geschmack kosten. Dann genießt auch der Körper den Schabbat. Das heißt, auch der Nichtjude, der Kaiser oder „der alte König“ genannt wird, genießt ihn. Darauf beziehen sich die Worte unserer Weisen: „Wer sich am Vorabend des Schabbat abmüht, wird am Schabbat essen.“2 Denn der Schabbat ist die Zeit, in der man den Genuss empfängt.
In dem Maß, wie er über Gefäße des „um des Himmels willen“ verfügt, kleidet sich der Schabbat in diese Gefäße und breitet sich auch im Körper aus, also im Nichtjuden. So sagten unsere Weisen: „Wenn dem Ewigen die Wege eines Menschen gefallen, versöhnt Er auch dessen Feinde mit ihm“ – damit ist der Böse Trieb gemeint.3 Deshalb genießt auch der Körper das Hüten des Schabbat, denn er empfindet am Schabbat einen Geschmack.
Das meinte der Kaiser mit seiner Frage, warum das Schabbatgericht einen so starken Duft verströmt: Bei allem, was er am Schabbat tut, empfindet er einen aromatischen Geschmack. Deshalb sagte er: „Gib uns davon.“ Gemeint ist, dass er das Gericht selbst kochen und ebenfalls diesen Duft haben möchte.
Mit anderen Worten: Er will sich nicht um des Himmels willen mit Tora und Mizwot befassen und dennoch bei seinen Handlungen den Geschmack des Schabbat kosten. Warum verströmen seine Handlungen keinen solchen Duft, wenn er sich mit ihnen in der Absicht befasst, sich selbst Genuss zu bereiten?
Darauf antwortete Rabbi Yehoshua: „Wir haben ein Gewürz, das Schabbat heißt.“ Der Schabbat ist nämlich ein Licht, das als Ziel von Himmel und Erde leuchtet und wie ein Vorgeschmack auf die Kommende Welt ist. Deshalb kosten wir am Schabbat Genuss. Dann verlangt der Körper: „Gib uns davon.“ Das heißt: Ich will für mich selbst kochen. Wenn ich Mizwot in der Absicht ausführe, mich selbst zu erfreuen, will ich diesen Geschmack empfinden; dann werde ich immer Mizwot und gute Taten ausführen.
Denn alle Schwierigkeiten bei der Ausführung der Mizwot entstehen daraus, dass ich die Handlungen genießen will, die ich ausführe, dabei aber überhaupt keinen Geschmack empfinde. Lass mich daher meine Handlungen genießen; dadurch werde ich dir ermöglichen, dich immer mit Tora und Mizwot zu befassen. Darauf antwortete er ihm: Wer den Schabbat hütet, dem nützt die Ausführung der Mizwot, sodass er Geschmack empfindet.
Wann kann der Mensch also den Geschmack des Schabbat empfinden? Nur wenn er den Schabbat hütet. Denn allein am Schabbat achtet er darauf, keinen Mangel zu erwecken, und will nur den Schöpfer preisen. Seine Absicht ist jedoch nicht auf den Genuss gerichtet.
An allen Wochentagen arbeitet er daran, dass seine Absicht ausschließlich um des Himmels willen ist. Wenn dann der Schabbat kommt, besitzt er bereits Gefäße, die für den Empfang der Fülle bereit sind: Er hat Verlangen, die dem König Wohlgefallen bereiten wollen. In diese Verlangen ergießt sich die Fülle des Schabbat.
Hütet er den Schabbat dagegen nicht, ist seine Absicht nicht darauf gerichtet, den König zu preisen, sondern nur darauf, den Genuss zu empfangen. Folglich hütet er den Schabbat nicht davor, ihn mit den Verlangen des Körpers zu entweihen, die „Verlangen, Genuss zu empfangen“ genannt werden. Daher besitzt er keine Gefäße, in denen sich der Schabbat ausbreiten kann.
Aus all dem folgt: Nur wenn die Absicht des Menschen um des Himmels willen ist, empfindet er in Tora und Mizwot einen aromatischen Geschmack, wie oben angeführt: „Wenn dem Ewigen die Wege eines Menschen gefallen, versöhnt Er auch dessen Feinde mit ihm.“ Ist seine Absicht dagegen nur darauf gerichtet, sich selbst Genuss zu bereiten, kann er den Geschmack des Schabbat nicht kosten. Deshalb empfindet er keinen Geschmack an Tora und Mizwot. Erst die Anstrengung während der sechs Werktage macht ihn dafür geeignet, das Licht des Schabbat zu empfangen.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026