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590. Die ins Land Israel gehen

Am Vorabend von Rosh Chodesh Schwat 5718 [21. Januar 1958]

„Strecke doch Deine Hand aus und rühre sein Gebein und sein Fleisch an … doch bewahre seine Seele.“1

Das heißt, Er gab ihm die Herrschaft über all seinen Besitz, jedoch nicht über die Seele. Denn die Seele bedeutet Glaube, entsprechend dem Vers: „Auch ohne Erkenntnis ist die Seele nicht gut.“ Mit anderen Worten: Er erlaubte ihm, alles anzurühren, nur nicht den Glauben.

Denn alles, was ein Mensch erwirbt, kann der Sitra Achra (der anderen Seite) eine Angriffsfläche bieten. Die Sitra Achra kann Anklage erheben und behaupten, seine Absicht ist nicht um des Himmels willen.

Den Glauben hingegen kann die Sitra Achra in keiner Weise berühren, denn seine gesamte Grundlage liegt über dem Verstand. Daher hat die Sitra Achra dort keinen Zugriff. Ihre ganze Verbindung besteht nur an einem Ort, an dem Verstand vorhanden ist; dort kann sie Halt finden.

Doch an einem Ort über dem Verstand hat sie nichts zu sagen. Deshalb heißt es: „Wer den Verstand mehrt, mehrt den Schmerz“, denn dort ist Raum für Prüfungen und Leiden.

Denke deshalb nicht: Warum sollte ich mich mit Dingen innerhalb des Verstandes befassen? Darauf bezieht sich die Auslegung: „Auch ohne Erkenntnis ist die Seele nicht gut.“ Vielmehr müssen wir uns auch mit Erwerbungen beschäftigen, denn „die Weisheit des Armen wird verachtet“. Auch Reichtum ist nötig, wie geschrieben steht: „Langes Leben ist in ihrer Rechten, in ihrer Linken Reichtum und Ehre.“ Das lange Leben gehört gerade zur Nefesh, die Glaube genannt wird, denn dort hat die Sitra Achra keinen Zugriff.

Dies heißt „rechts“, denn dort gibt es keine Furcht. Die Seite „links“ hingegen heißt „Isaaks Furcht“. Bei Reichtum und Ehre kann die Sitra Achra Anklage erheben und behaupten, dies geschieht nicht um des Himmels willen, sondern der Mensch empfängt es zu seinem eigenen Genuss.

Dennoch brauchen wir beides, wie geschrieben steht: „Wenn du gerecht bist, was gibst du Ihm?“ Vielmehr bewirkt der Schöpfer, dass wir von Ihm all das Gute empfangen, das für uns bereitet wurde. Das bedeutet, dass wir das gesamte NaRaNChaY [Nefesh, Ruach, Neshama, Chaja, Yechida] offenbaren müssen, das „Reichtum und Ehre“ genannt wird.

„Rabbi Shimon sagte: Hiobs Prüfung war keine Prüfung durch den Schöpfer wie die Prüfungen der übrigen Gerechten, denn es steht nicht geschrieben: ‚Und Gott prüfte Hiob‘ … Abraham brachte seinen einzigen Sohn eigenhändig dem Schöpfer dar, Hiob hingegen gab nichts und überließ dem Schöpfer nichts … Denn vor Ihm war offenbar, dass er darin nicht bestehen konnte; vielmehr wurde er in die Hand des Anklägers gegeben.“2

Man muss fragen: Worin liegt bei einer Prüfung der Unterschied, ob sie vom Schöpfer oder vom Ankläger ausgeht? Denn als Grund wird angegeben, dass Hiob nicht durch die Hand des Schöpfers geprüft wurde, weil er der Prüfung möglicherweise nicht standhalten konnte.

Dies lässt sich im Sinne von Zimzum (Einschränkung) und Massach (Schirm) erklären: Geht die Prüfung vom Schöpfer aus, so leuchtet der Schöpfer dem Menschen die Fülle zwar offen. Erkennt der Mensch jedoch, dass der höhere Wille verlangt, sich von der ganzen Fülle zu lösen und nur mit bedeckten Chassadim (Gnaden) zu arbeiten, wählt er sofort den Weg der bedeckten Chassadim.

Daraus folgt, dass er die Prüfung besteht: Er handelt vollständig aus freier Wahl. Er hat die Wahl, die Fülle festzuhalten, denn die Prüfung kommt aus der Hand des Schöpfers. Das heißt, er befindet sich auf der Stufe der Offenbarung der Fülle, die „Hand des Schöpfers“ genannt wird. Wenn er dann die Prüfung besteht, also alles aus freier Wahl und nicht aus Zwang tut, heißt es, dass die Prüfung vom Schöpfer ausgeht.

Ist der Mensch dagegen nicht fähig, die Prüfung aus freier Wahl zu bestehen, wird er in die Hand des Anklägers gegeben. Dies geschieht durch den Massach, der eine erzwungene Herrschaft ausübt: Die Offenbarung der Fülle wird ihm genommen. Das heißt „in die Hand des Anklägers“. Die Prüfung findet somit während des Rückzugs der Fülle statt und besteht darin, ob er sich über Seine Eigenschaften beklagt oder nicht.

Hier besteht die Wahl also nicht darin, die Fülle zurückzugeben, denn sie wurde ihm gegen seinen Willen genommen; darüber hat er keine Wahl. Seine ganze Wahl betrifft vielmehr den Zustand nach dem Rückzug der Fülle.

Daraus folgt: Eine Prüfung aus der Hand des Schöpfers findet statt, während der Mensch die Fülle besitzt. Eine Prüfung aus der Hand des Anklägers findet dagegen nach dem Rückzug der Fülle statt.

Darüber heißt es im Sohar: „Und du sollst lieben … selbst wenn Er dir dein NaRaN nimmt.“ Ebenso sagte David: „Ich wecke die Morgenröte, und nicht die Morgenröte weckt mich.“ Denn er selbst ruft den Rückzug hervor; nicht der Rückzug bringt ihn in die Prüfung, sich über Seine Eigenschaften zu beklagen, wie oben erklärt wurde.

Es steht geschrieben3: „Und durch das Urteil des Schöpfers geschah es“ – weil Hiob Israel die schwere Arbeit in Ägypten verursacht hatte, wie in Punkt 15 geschrieben steht. Denn Hiob gehörte zu Pharaos Ratgebern. Als Pharao Israel töten wollte, sagte Hiob zu ihm: „Nimm ihr Geld und herrsche durch schwere Arbeit über ihre Körper.“

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Hiob 2:5–6. ↩

  2. Sohar, Bo 4, 9. ↩

  3. Sohar, Bo, Punkt 30. ↩